Wo veröffentlichen

Wo veröffentliche ich am besten mein Buch? Bei einem Verlag oder über einen Distributor oder gleich ganz selbst? Sobald man sich als Autor diesem Thema nähert, bemerkt man, dass man vor einem Dschungel steht. In diesem Artikel gebe ich ein Buschmesser an die Hand, um sich einen schmalen Weg schlagen zu können mit etwas Licht am Ende.

Generell gibt es die erwähnten drei Wege: den Verlag, einen sogenannten Distributor und das pure Self-Publishing. Die Unwissenheit der Autoren wird gern ausgenützt, um gutes Geld zu machen. Das böseste Beispiel sind die Druckkostenzuschussverlage (DKZV), die dem hoffnungsvollen Autor auch gut und gerne mal 15.000 Euro abknöpfen, damit er sein Buch in Händen halten kann und daran glauben, dass es veröffentlicht ist. Ist es auch, nur wird sich ein DKZV nie um ein Marketing bemühen, denn verdient hat er ja schon. Das war vorweg gleich einmal die schlimmste Option. Jetzt kann es nur besser werden.

Dieser Artikel streift das Thema nur ganz oberflächlich. Wer etwas mehr dazu erfahren möchte, kann das in meinem Buch Ich möchte gern ein Buch schreiben, das man hier im Shop als (auf Wunsch signierte) Printversion oder epub und via Amazon als mobi erwerben kann. Hier möchte ich nur über ein paar grundlegende Gedanken schreiben.

Der Verlag

Verlage sind die klassische Schiene, wie Bücher vom Autor zum Leser kommen. Früher lief das so, dass Autoren, nachdem sie einen Verlagsvertrag unterzeichnet hatten, ihr Manuskript dem Lektor übergaben. Der Lektor überarbeitete es, besprach es mit dem Autor, überarbeitete es wieder. Druckfanhen wurden hin- und hergeschickt und es ergaben sich sogar freundschaftliche Beziehungen. Der Lektor war zum großen Teil für das Manuskript verantwortlich. Heute sind Lektoren Buchmanager, die Drehscheibe für Manuskript, Gestaltung, Cover und Marketing. Zum Lektorieren selbst kommen sie nur wenig. Für den Autor bedeutet das heute, ein möglichst fehlerfreies und kaum zu überarbeitendes Manuskript abzuliefern. Wird gleich zu Beginn seitens des Verlags bemerkt, dass ein Buch zu viel Aufwand bedeutet (Umbau, viele Rechtschreib- und Grammatikfehler), wird es von vorne herein abgelehnt.

Neben den großen Publikumsverlagen gibt es auch eine ganze Menge an Kleinverlagen. Kleinverlage sind aber so gut wie nie in der Lage, Vorschüsse zu bezahlen und leisten auch sonst nur wenig mehr als das, was man auch selbst machen kann: Das Manuskript lektorieren/korrigieren, das Cover gestalten, einen Klappentext entwerfen, dem allen für Print und eBook eine saubere Form geben, das Buch beim VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) anzumelden und es drucken zu lassen beziehungsweise in die Shopkanäle zu schicken. Das Wichtigste, und zwar das Marketing, muss man meist selbst machen. Das zu wissen ist schon einmal wichtig. Den genau das erhoffen sich Autoren gerne (vergeblich) von kleineren Verlagen.

Doch selbst wenn man bei einem großen Verlag unterkommt, wird man unter ›ferner liefen‹ ganz unten in der Autorenhierarchie angesiedelt. Hat man nicht das Glück, dass das Buch gut läuft, dann gibt es keine zweite Auflage, der Vorschuss von vielleicht 2.000 Euro ist mit den Tantiemen verbraucht und das war’s. Das war’s doppelt, denn dieser Verlag wird einen kaum ein zweites Mal verlegen, weil man ja keinen Erfolg verbuchen konnte. Also geht die Suche von vorne los. Selbst wenn man zwei Bücher pro Jahr schreibt und auch noch einen Verlag findet – sind 4.000 Euro pro Jahr genug zum Leben?

Die Wartezeiten von der Anfrage bis zum Erscheinen eines Buchs können bei den großen Verlagen bis zu drei Jahren dauern. Antwortzeiten auf unaufgefodert eingesandte Manuskripte zwischen einem Monat und gar nicht (meistens Letzteres)

Agenturen

Buchagenturen sind bei manchen Verlagen die einzige Brücke, um andocken zu können. Der Vorteil von ihnen, dass sie die Kontakte zu Verlagen haben und so zuordnen können, was wohin passt. Sie vertreten den Autor gegenüber dem Verlag bei Verlagsvertägen, motivieren und unterstützen Autoren. Sie verlangen 15-20% des Autorenhonorars dafür. Und an manche kommt man genauso schwer heran wie an Verlage. Auch sind sie oft nicht weniger zickig, wenn es um Antwortszeiten bei Manuskriptzusendung geht: es dauert ewig oder man hört gleich gar nichts. Man kommt über sie also etwas eher unter und hat Schützenhilfe bei der Vertarsgabwicklung. Das bezahlt man aber. Es gibt Leute die andere Erfahrungen haben, ich kann aber nur von dem erzählen, was ich selbst oder direkte Bekannte erlebt haben.

Distributoren

Das sind Plattformen, die gerne eine Menge im Endeffekt wenig Interessantes versprechen. Zum Beispiel: die Bücher werden in allen Shops veröffentlicht. Man braucht nur das fertige Manuskript einzuschicken (wohlgemerkt lektoriert und korrigiert!) inklusive Cover und sie machen den Rest. Das klingt nach großer Arbeitserleichterung, ist in Wirklichkeit aber kaum von Vorteil, wenn man es näher ansieht. Tun wir das einmal:

  1. Dein Buch ist überall verfügbar, auf Amazon, bei iBooks, bei Hugendubel und in all den anderen Shops.
    Das ist theoretisch super. Praktisch wird trotzdem der Umsatz auf Amazon 90% oder mehr ausmachen. Außer du machst auch für die anderen Plattformen heftig Werbung, dann sind es nur noch 85%. Also beinahe zu vernachlässigen. Zumal so auch keine Exklusivität auf Amazon mehr möglich ist (siehe KU, weiter unten).
  2. Dein Buch werden auch Verlage sehen und du hast die Chance, bei einem Verlag unterzukommen (neobooks, tao.de …)
    Dabei handelt es sich um von Verlagen betriebene Plattformen, die Autoren damit ködern, so zu einem Verlag zu kommen. Nur – wenn ein Lektor sich auf Talentsuche macht, dann kaum dort, sondern dort, wo er bereits Erfolge sieht, zum Beispiel auf Amazon. Meiner bescheidenen Ansicht nach haben diese Plattformen lediglich den Sinn, den betreibenden Verlagen die Möglichkeit zu geben, auch etwas vom Self-Publisher-Kuchen abzubekommen. Denn sonst läuft der SP-Strom gemütlich an ihnen vorbei.
  3. Wir übernehmen für dich optional viele Dienstleistungen. Das kostet auch nur ganz wenig. Zum Beispiel 180,- Euro das Basispaket.
    Manche Distributoren bieten Zusatzdienstleistungen an, z.B. BoD. Dem schnäppchensuchenden Autor kommt das sehr interessant vor: vielleicht sogar ein Lektorat und Korrektorat und Cover um dieses Geld? Toll! Jetzt mal Hand aufs Herz – sind Lektoren, die 3,- Euro pro Seite nehmen (und das ist wenig) Ganoven, die Autoren über den Tisch ziehen? Wenn es doch auch um 60,- Euro geht? Geht es eben nicht, denn niemand kann zaubern. Lektorieren und korrigieren bedeutet Zeitaufwand. Und in einer Stunde kann kein Mensch ein Buch lektorieren oder korrigieren. Auch kein Programm. Denn kein Programm kann diesbezüglich viel mehr als Word mit Duden, wo jede Menge Fehler – ganz zu schweigen von den logischen – durchrutschen. In Wirklichkeit erinnern mich solche Distributoren schon ziemlich an moderate DKZVs.
  4. Du bekommst von uns eine ISBN und dein Buch ist überall im Buchhandel verfügbar.
    Das ist natürlich schön. Nur – wie kommt denn das Buch in den Handel? Von selbst sicher nicht. Ohne aufwändige Werbung weiß ja niemand, dass es existiert. Und wer macht die Werbung? Genau. Das bist nämlich nur du selbst. Was nützt dir dann die ganze Verfügbarkeit …?
  5. Unsere Qualität ist besser als bei Amazon
    Das mag schon sein, aber auch nur beim Druck. Wobei ich bei meinen Büchern keinen großen Unterschied festgestellt habe, aber das muss jeder für sich beurteilen. Ich persönlich drucke ohnehin eine gewisse Anzahl an Exemplaren bei einer der sehr günstigen Digitaldruckereien. Diese Bücher verwende ich für Lesungen, Rezensionen und signierte Exemplare. Somit kostet mich das Buch anstatt 7,50 (Amazon KDP Print oder CS) nur 3,00 Euro. Und hat eine etwas bessere Qualität. Denn, und das ist wichtig, dabei zu bedenken, der Absatzanteil an gedruckten Büchern auf Amazon ist marginal. Dort gehen hauptsächlich eBooks.

Und für all die Dinge, die dir bei genauem Hinsehen nichts bringen, bist du auch noch bis zu 50% deiner Marge los, die du sonst bei Amazon haben könntest, plus der Unmöglichkeit eines Zubrots durch gelesene Seiten bei KU.

Self-Publishing

Beim Self-Publishing machst, beziehungsweise sorgst du für alles selbst. Das sind ab dem fertigen Manuskript: Lektorat, Korrektorat, Cover. eBook generieren und eine PDF-Datei für den Druck. Man entschuldige die kurze Werbeeinschaltung: eBook und PDf sind, wenn du mit Patchwork arbeitest, wenige Mausklicks. Man kann sich zudem bei Amazon verpflichten, das Werk exklusiv anzubieten, wodurch man zusätzlich noch von der Kindle-Leseflatrate (Kindle Unlimited, kurz KU) profitiert. Unterm Strich grob das Doppelte als über irgendeinen Distributor.

Wenn jemand also zu Ende denkt, dann bleibt unterm Strich nur die Frage:

(Groß)verlag oder Self-Publishing?

Um die Frage dir selbst beantworten zu können, meinerseits ein paar Fragen:

  1. Möchtest du den Rahmen deiner Geschichte selbst bestimmen (Verlage machen oft marktgerechte Vorgaben)
  2. Traust du dir zu, Lektorat und Korrektorat zu organisieren? (bloß ja nicht selbst machen, das geht nicht!)
  3. Möchtest du über dein Cover selbst entscheiden? (auch besser vergeben, außer du bist Profi)
  4. Ist es für dich okay, mit der Erstellung des eBooks und der PDF-Datei etwas zu basteln? oder optional
  5. Ist es für dich okay, ein Schreibprogramm wie Patchwork zu erwerben, das dir das großteils abnimmt?
  6. Willst du Werbung für dein Buch machen?
  7. Willst du dich für dein Buch einstzen (Lesungen, FB-Lesergruppen posten, Rezis besorgen …)?

1, 2, 3 Hast du nur beim Self-Publishing
6, 7 wird auch von einem Verlag von dir erwartet, 6 gibt es nur bei Großverlagen
1, 2, 3, 4, 5 entfällt bei einem Verlag, du hast dort keinen Einfluss darauf

Ich denke, wenn du bereits drei der Fragen mit ja beantwortest, ist Self-Publishing für dich eine sinnvolle Option.

Allerdings…

… gibt es eines zu bedenken: Nicht jedes Buch eigent sich für einen guten Erfolg bei Amazon. Romance, Young Adult, Krimi/Thriller, Erotik, Sachbuch allemal. Also bei Mainstreamthemen. Bereits bei Kinderbüchern wird es eng, ebenso bei anspruchsvollerer Literatur, bei Nischenthemen und bei Lyrik sowieso. Es gibt einfach Verlagsbücher, die im Amazonas untergehen.

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