Braucht man eine ISBN?

Häufig taucht die Frage auf, wo man denn nun günstig eine ISBN herbekommt. Oder es heißt: »Ich lasse mein Buch dort herstellen, denn dort bekomme ich die ISBN kostenlos.« Auch hier bitte vorher zu Ende denken und sich fragen: Braucht man die überhaupt?

Es gibt keine Verpflichtung zu einer ISBN (International Standard Book Number). ISBN sind Nummern, um im gesamten Handel den Weg von der Bestellung bis zum Verkauf zu erleichtern. Im Handel. Der Umkehrschluss lautet: wenn mein Buch nicht im Handel sein wird, dann brauche ich auch keine ISBN. Und mit Handel ist der Buchhandel gemeint, also die Kette, die üblicherweise so aussieht: Du stehst vor deinem Buchhandelsangestellten und bestellst ein Buch > Buchhandlung sucht in der Liste seines Barsortimenters das gewünschte Buch, bestellt es bei > Barsortimenter (Libri, KNV …), der das Buch auf Lager hat oder bei der > Verlagsauslieferung des Verlags – oder beim > Verlag direkt bestellt. Auf diesem Weg macht ein Strichcode natürlich Sinn.

In dem Artikel Wo veröffentlichen habe ich darüber geschrieben, dass es für einen Indie-Autor (also einen auf sich gestellten Nicht-Verlags-Autor, also SPler) wenig sinnvoll ist, den Buchhandel anzupeilen. Denn dort gibt es eine meist unbekannte Hürde, jetzt mal ganz von der Sichtbarkeit abzusehen, geschweige denn davon, dass das Buch im Buchladen aufliegt. Buchhändler bestellen nämlich in der Regel nicht direkt bei Verlagen. Wenn du in einen Buchladen gehst und nach einem Buch fragst, sieht der Buchhhändler im Katalog seines Barsortimenters nach und bestellt. Wenn du Pech hast – bei den Ketten kann das durchaus passieren – macht er sich nicht die Mühe, beim VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) ebenfalls nachzuschlagen, ob das Buch vielleicht doch bestellbar ist.

Dass aber ein Buch von einem der wenigen Barsortimentern überhaupt genommen wird, liegt am Umsatzpotential des Verlages, so gut wie nie eines einzelnen Buchs. In der Realität haben selbst Kleinverlage schlechte Karten, bei Barsortimentern unterzukommen. Und selbstständige Autoren praktisch gar nicht. Es bestünde nämlich nur dann eine Chance, wenn sie mit sensationellen Erfolgen mit Print-Exemplaren ihrer Bücher aufwarten können. eBooks zählen nicht! Denn es geht dabei nur um das physische Buch.

Bleibt eventuell noch das eBook (das eine andere ISBN hat als die Print-Schwester!) auf anderen Kanälen als Amazon. Auch laut anderem Artikel: das ist zurzeit nicht wirklich interessant. Und wenn, dann bekommt man das meist von den Distributoren mehr oder weniger kostenlos.

Fazit: Wenn du SPler bist und nicht im Buchhandel aufscheinst, das heißt, nur auf Amazon dein eBook und Print-Buch anbietest, sowie eine bestimmte Anzahl drucken lässt um sie als (signierte) Rezensionsexemplare zu verschicken und auf Lesungen zu verkaufen, dann ist ISBN kein Thema. Und für das auf Amazon veröffentlichte Buch pappt Amazon eh eine eigene ISBN auf die Rückseite.

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