Technik: Sichern und Computer-Kaufhilfe

Im letzten Artikel ging es allgemein um Datensicherheit, vom Virenschutz bis zum Sichern selbst am Rande. Diesmal geht es nur ums Sichern. Einfach kopieren? So einfach ist es leider nicht. Jahrzehnte lang habe ich mir immer neue Strategien überlegt, bis ich zu der hier beschriebenen gelangt bin.

Ein paar Worte zum Sichern

Was nun kommt, mag kompliziert oder komplex klingen. Oder vielleicht übertrieben. Man will es ja einfach. Leider geht das so nicht ganz. Wer ernstzunehmende Daten auf seinem Rechner hat, kommt nicht drum herum, sich Gedanken zu machen. Viele jahre lang habe ich verschiedenste Tools ausprobiert und Methoden überlegt. Du kannst es mir nachmachen, also auch suchen, und letztlich viel Zeit hineininvestieren (wirklich viel Zeit!) oder dich von den folgenden Zeilen inspirieren lassen.

Es mag cleverere Strategien geben oder andere. Das hier erhebt keinen Anspruch auf Perfketion. Nur für mich selbst ist es so ziemlich ideal.

Bevor wir mit dem eigentlichen Thema beginnen, noch ein Tipp zur Anschaffung eines neuen Computers.

Natürlich wird man versuchen, möglichst kostengünstig bei der Anschaffung auszusteigen, was auch völlig okay ist. Allerdings sollte man Schnäppchenaktionen mit Skepsis betrachten. Solche Aktionen werden nämlich nicht selten von Trittbrettfahrern mitfinanziert. In der Praxis sieht das dann so aus, dass jede Menge ›vorinstallierter‹ Software auf dem Gerät lauert. Viele dieser Programme sind zwar selten direkt böse, aber sie klinken sich an ellen Ecken und Enden ein, um auf sich oder irgendwelche Produkte aufmerksam zu machen. Abgesehen davon, dass das sehr nervend sein kann, verlangsamt es das das neue Gerät mitunter erheblich!

Gerade neulich bekam eine Freundin von ihren Kindern so einen Aktionscompi geschenkt. Nach einigen Tagen hat sie ihn dankend an ihre Kids retourniert und sich einen neuen selbst gekauft. Dabei braucht man gar nicht auf so viele Dinge achten.

  1. Das Allerwichtigste: Auf dem Gerät soll nur das Betriebssystem installiert sein und absolut keine weitere Software! Zurzeit empfehle ich nach wie vor Windows 7 oder Windows 8.1, nicht Windows 10.
  2. Der Hauptdatenträger C:\ sollte eine SSD-Platte sein (Solid State Disks haben eine um vieles schnellere neuere Technologie). Größe 250 GB genügt. Außer es ist ein Notebook, dann so groß wie möglich. Oder die Daten (Bücher, Recherche, Fotos, Musik, Videos) halten sich sehr in Grenzen. Dann auch nur eine, aber möglichst große SSD.
  3. Wenn es ein Desktop-Computer ist, eine zweite Platte mit 2TB (außer es gilt der Zusatz von 2.). Auf der C:\ befinden sich dann nur Programme und keine Daten und auf der zweiten Platte alle Daten.
  4. Nur wer viel spielt oder mit Grafik/CAD arbeitet, muss auf die Qualität der Grafikkarte achten.
  5. Wenn mit Spielen oder Programmen gearbeitet wird, die Speicher brauchen (Photoshop, Filmschnitt …), sollte man sich mehr Speicher-RAM gönnen. 4GB sind immer unterstes Limit, sind dafür aber eindeutig zu wenig. Ich habe 32GB, weil die Chips damals sehr günstig waren, die ich aber nie annähernd benötige. In der Regel tun es auch 16GB. Um den Speicher auch nützen zu können, ist ein 64-Bit-Betriebssystem notwendig! 32-Bit-Windows kann nur rund 3GB nutzen. Darauf sollte man achten, wenn man einen gebrauchten PC kauft.
  6. Soll eventuell ein großer Monitor angeschlossen werden? Wenn ja, dann darauf achten, dass die Grafikkarte den auch kann.

Bei der Datensicherung sollte man zuerst darüber nachdenken:

  1. Was möchte ich sichern?
  2. Machen Automatismen Sinn?
  3. Was kann ich tun, wenn Daten gelöscht oder unbrauchbar gemacht wurden?

zu 1 – Was möchte ich sichern?

Dumme Frage, meine Daten natürlich. Nun, bei den Daten gibt es zweierlei: Die sogenannten Stammdaten und die Bewegungsdaten. Während in zum Beispiel einer Buchhaltung Personen- und Sachkonten als Stammdaten gelten, sind es in unserem Fall die Programme und das Betriebssystem. Diese Daten sollte man anders sichern als all die Daten, die wir erzeugen, also die Bewegungsdaten. Wie man was am cleversten sichert, kommt weiter unten.

Auch sind nicht unbedingt alle Sachen sichernswert, oder? Es gibt jede Menge Daten, die zwar nett zu haben sind, aber nicht wirklich wichtig.

zu 2 – Machen Automatismen Sinn?

Automatisierte Sicherung klingt verlockend. Aber sie hat m.E. mehr Nachteile als Vorteile. Synchronisationen (wozu auch gespiegelte Datenträger gehören) synchronisieren alles, auch jedes Löschen und können zudem das System ziemlich einbremsen. Die Sicherung findet vielleicht nicht dann statt, wenn man es immer möchte (gleicher Zeitpunkt, aber heute passt es gerade nicht) und schließlich macht uns jeder Automatismus unaufmerksam. Meine Meinung: keine automatische Sicherung, sondern bewusst manuell.

zu 4 – Was kann ich tun, wenn Daten gelöscht oder unbrauchbar gemacht wurden?

Nicht immer muss der letzte Stand der beste sein. Eine Datei kann zerstört oder gelöscht sein und man merkt es beim Sichern nicht – wie auch? Also ist es hilfreich, mehrere Generationen zu haben. Wir kommen noch dazu.

Systemdatenträger sichern

Den Sytemdatenträger, also die Platte C:\ sichert man idealerweise nicht auf Dateiebene. Einige Dateien sind nämlich gesperrt und können gar nicht gesichert werden und zurückspielen kann man ohnehin nichts, weil man an viele Orte gar nicht schreiben darf.

Ich habe länger gesucht, bis ich vor Jahren bei einem sehr praktischen deutschen Programm gelandet bin. Es ist spartanisch, schnell und bietet einen schönen Vorteil: Nicht nur, dass man den ganzen Datenträger im Falle eines Crashs oder Virenbefalls restaurieren kann, kann man auch inkrementell sichern (also nur die Veränderungen) und man kann trotzdem dateiweise rücksichern. Das Programm heißt DriveSnapshot. Eine Einzellizenz kostet derzeit 39,- Euro.

Man kann sich einfache Batch-Dateien erstellen (Muster etwas weiter unten). Mit der einen wird eine Komplettsicherung durchgeführt, die man im Bild unter (1) sieht. Die zweite macht eine inkrementelle Sicherung (2) und (3). Man sieht, dass bei den beiden inkrementellen bedeutend weniger Platz benötig wird, man aber tortzdem eine vollwertige Generationensicherung hat.

Wie man das ganze System im GAU-Fall rücksichert, ist auf der Seite von DriveSnapshot beschrieben.

Für eine dateiweise Rücksicherung doppelklickt man auf die Datei mit der Endung .sna. Daraufhin öffnet sich DriveSnapshot, generiert ein virtuelles laufwerk Z:\ und zeigt in einer geöffneten Explorer-Instanz den kompletten Inhalt an. Elegant, finde ich.

So kann die Sicherungsplatte aussehen:

(1) Die beiden Ordner. Ich sichere mal in den einen, mal in den anderen. Um zu sehen, in welchen zuletzt gesichert wurde,  habe ich in der Batchdatei zwei Zeilen eingefügt, die mir das protokolliert in Form einer Pseudo-Datei (3)

(2) Sind vier Batchdateien, um einmal in den Ordner saveA und einmal in den Ordner saveB zu sichern.

Hier der Inhalt des Sets für den Ordner saveA:

saveC-Abase.bat (erstmalige Gesamtsicherung)

“c:\Program Files (x86)\Snapshot\snapshot.exe” c: “L:\SaveA\C.sna” -R -W -Go –usevss
DEL L:\Sicherung*.log
ECHO > “L:\Sicherung -A- Basis %date%.log”

saveC-A.bat (Folge-Teilsicherungen)

“c:\Program Files (x86)\Snapshot\snapshot.exe” c: “L:\SaveA\C-$date.sna” -R -W -Go –usevss -h”L:\SaveA\C.hsh”
DEL L:\Sicherung*.log
ECHO > “L:\Sicherung -A- %date%.log”

Dieses System nutze ich zur Sicherung meiner System- und Programmplatte auf zwei verschiedene externe Festplatten mit einem Inhalt von 5TB. Auf dieselben Datenträger sichere ich auch bewusst und konkret inkrementell meine zweite Platte. Und zwar so:

Daten-Datenträger sichern

Schon ewig verwende ich anstatt dem Windows-Explorer (den ich als ziemliche Zumutung empfinde) das Dateiverwaltungsprogramm Total Commander. Nicht nur, dass es aus der Schweiz kommt, ist es auch eine Art Schweizer Taschenmesser für den Rechner. Hier nur ein paar für mich wichtige Kriterien:

  • Zwei Fenster nebeneinander erlaubt schnelle Dateimanipulation
  • Pro Seite mehrere Reiter, die beim Beenden behalten werden. So hat man die wichtigsten Ordner immer parat
  • Man kann Dateitypen Farben zuordnen, was Übersicht schafft
  • Man kann einen entfernten FTP-Server genauso behandeln wie einen normalen Ordner
  • Integrierter Dateibetrachter für viele Formate
  • Viele nützliche Plug-Ins
  • Frei gestalt- und werweiterbare Toolbar
  • Viele weitere hilfreiche Features
  • Sehr schnell
  • Ordnersynchronisation

Über letzteren Punkt wickle ich meine Synchronisation (1) bestimmter Ordner auf der zweiten Festplatte meines Rechners ab. Man kann dafür eine Art Jobs machen (2), die man nach Bedarf aufruft. Je nachdem, welche externe Festplatte dranhängt – beide haben dieselbe Struktur – auf die wird gesichert.

Warum ich keines der vielen Tools auf dem Markt verwende? Erstens fallen viele bei genauerem Hinsehen durch den Rost oder sie sind mir einfach zu kompliziert. Und warum nicht mein schweizer Taschenmesser einsetzen, wenn ich es eh habe?

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