Pitch? Wichtig! Warum und wofür?

Im Fall eines Autors ist der Pitch ist die kürzeste Version seiner Geschichte. So kurz, dass du glaubst, dass es unmöglich ist. Was macht das für einen Sinn, 400 Seiten in ein, zwei Sätze zu pressen? Der Pitch ist nicht nur für die Agentur- oder Verlagsbewerbung wichtig, sondern bringt dir sonst auch eine ganze Menge.

Das Wort kommt aus dem Englischen und hat mehrere Bedeutungen. In der Chemie ist es das Pech, beim Camping der Stellplatz und in der Akkustik die Tonhöhe. Was soll das beim Schreiben? Beim Baseball ist der Pitcher der Werfer, womit wir der Sache schon näher kommen. Denn etwas Geworfenes ist nicht ewig unterwegs. Also ist der Name Pitch ganz passend: die Zeit, in der ein Baseball in der Luft ist.

Aus der Wirtschaft kennst du vielleicht den Begriff Elevator-Pitch. Gemeint ist damit die Zeit, die man benötigt, einem Sponsor oder Vorgesetzten schnellstmöglich – also im Rahmen einer kurzen gemeinsamen Fahrt im Aufzug – sein Projekt so schmackhaft zu machen, dass man eingeladen wird, mehr davon zu erzählen. Und genau darum geht es auch beim Pitch zu deiner Geschichte: Du bist mit ihm in der Lage, sie knackig und interessant auf den Punkt zu bringen.

Vielleicht fragst du dich nun, wozu das gut sein soll. Es gibt einmal den erwähnten Grund, dein Projekt einem Agenten oder Verleger vorzustellen. Weiters ist es auch praktisch, nicht ins Stottern zu kommen, wenn dich Freunde fragen: »Was schreibst du denn gerade?« Es gibt aber einen Grund, der viel wichtiger ist als diese. Der ist deine Geschichte selbst. Nur dann, wenn es dir gelingt, eine Zusammenfassung in 60 Wörtern (beziehungsweise 500 Zeichen, einer Drittel Normseite) zu erstellen, kannst du von einem Konzept reden. Wenn dir das nicht gelingt und du glaubst, (viel) mehr Raum zum Erklären zu brauchen, dann ist, so leid es mir tut, vermutlich der Wurm drin; denn jede in sich geschlossene Geschichte sollte einen Aufbau haben, der grob dem Dreiakter entspricht: Ausgangssituation – der Weg – Abschluss. Dabei muss es für den Weg einen Grund geben und sich der Schluss möglichst eklatant vom Beginn unterscheiden. Und das kann man prima in einem Pitch zusammenfassen.

Ein Plot-Konzept übrigens, dass den Pitch gut unterstützt, ist die Schneeflockenmethode (die auch im Rahmen der Plotkonzepte in Patchwork zur Verfügung steht). Dabei beginnt man, indem man die Geschichte nicht nur in einem Pitch, sondern einem einzigen (kurzen!) Satz zusammenfasst. Um den herum erweitert man dann stufenweise, bis man schließlich bei einem Szenengerüst anlangt.

Pitchs sind für viele Autoren ein Schreckgespenst, von dem sie hoffen, sich ihm nie stellen zu müssen. Diese unangenehmen Emotionen löst der Pitch nur dann aus, wenn du ihn nach dem Schreiben deiner Geschichte machen musst. Denn im schlimmsten Fall zeigt dir die Unlösbarkeit dieser Aufgabe, dass du dich monatelang in eine Sackgasse geschrieben hast. Also mach den Pitch immer vorher, als allererstes, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Wenn du schon begonnen hast und noch keinen Pitch hast, leg eine Pause ein und mache ihn jetzt. Denn jetzt ist für ein eventuelles Umbauen immer noch besser als erst am Schluss.

Ein weiterer Vorteil des Pitchs ist seine Grundlage als Klappentext. Für den brauchst du ihn nur in einen professionellen Kurztext im klassischen Klappentext-Dreiteiler zusammenschneiden/erweitern und schon hast du auch diesen zweien Bauchwehpunkt vom Tisch.

Also nutze für den Pitch die alte Weisheit: Wen du nicht zum Feind haben möchtest, den mach dir zum Freund.

Bildquelle: Pixabay KeithJJ

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