Okay, also Self-Publishing. Und jetzt?

Nach der die Entscheidung zum Self-Publishing geht es mit dem Entscheiden erst richtig los. Da es viele Self-Publisher gibt und damit ein lukrativer Markt entstanden ist, gibt es auch viele, die mitschneiden möchten. Mit diesem Artikel möchte ich ein paar Entscheidungshilfen geben.

Die erste Überlegung betrifft das Medium, und zwar gedrucktes Buch und/oder eBook. Gedruckte Bücher sind zwar sehr beliebt bei Lesern, aber sie werden üblicherweise über den Buchhandel vertrieben. Hier gleich die schlechte Nachricht: Buchhandel kannst du dir als Self-Publisher abschminken. Das Warum ist schnell erklärt:

Grund 1: Der Buchhandel wird primär durch sogenannte Barsortimenter beliefert (KNV, Libri, Umbreit). Das sind Buchgroßhändler, die sich von dem jeweiligen Buch mehr oder weniger Exemplare auf Lager legen und mit ihrem schnellen Liefersystem meist binnen eines Tages ein nicht beim Buchhändler vorrätiges Buch zustellen können. Damit ein Buch allerdings von einem Barsortimenter gekauft wird, muss es – oder sein Verleger – Erfolge nachweisen können. Und das kannst du als Self-Publisher nicht. Also ist dieser Kanal zu. Wo anders als beim Barsortimenter sehen Buchhändler in der Regel aber gar nicht nach, auch wenn sie natürlich direkt beim Verlag/Verleger bestellen könnten. Tun sie auch manchmal, aber gern nicht, da es mehr Aufwand für eine kleine Provision bedeutet. Damit also der dieser Weg über den Buchhandel überhaupt erst machbar würde, müsstest du große Erfolge im SP-Bereich nachweisen. Okay, dann kann man aber dabei bleiben und muss von seinen Honoraren nichts abgeben.

Grund 2: Was nützt es, wenn du zwar die Tür zum Buchhandel offen hast – also eine ISBN hast und im VLB (Verzeichnis lieferbarer Bücher) gelistet bist – aber nicht durchgehen kannst? Es bringt dir nichts, weil nämlich kein Mensch von deinem Buch weiß. So zu werben, wie es Verlage machen, kostet Hunderttausende. Allein damit bei Thalia ein Buch auf dem Präsentiertisch liegt, sollen Verlage fünfstellige Beträge bezahlen – habe ich mal gelesen.

Also ist das eBook das einzig verbleibende Medium des Selfpublishers? Nicht ganz aber das wirklich interessante auf jeden Fall. Deshalb konzentrieren wir uns vorerst darauf, zum Print gibt es danach noch ein paar Worte. eBooks werden digital in Online-Shops vertrieben. Auch dort gilt natürlich die Notwendigkeit der Werbung. Je größer der Shop, desto zielführender der Werbeaufwand. Der größte Shop ist Amazon. Der absolut allergrößte leider bezüglich der Monopolmacht, nicht leider, wenn es ums eigene Hemd geht. Erfahrungen bestätigen immer wieder: das Absatzverhältnis Amazon zu Shops liegt bei rund 9:1. Will man also überall gesehen sein, muss man überall präsent sein. Will man an einem Ort gesehen sein, dann kann man seine Aktivitäten bündeln. ›Präsent sein‹ bedeutet alles, von der Werbung über Verlinkungen bis zum Aufscheinen von Rezensionen. Nach meiner persönlichen Erfahrung und der von erfolgreichen Autorenfreunden ist die Einstellung, möglichst überall sichtbar zu sein nicht zielführend. Sie hört sich appetitlich an, mag das Ego streicheln, bringt aber nichts.

Um den Anreiz für Amazon noch größer zu machen, gibt es dort die Möglichkeit von KU (Kindle unlimited), wodurch Flatrate-Kunden das Buch zur Verfügung gestellt wird. Solche Vielleser sorgen mit ihren gelesenen Seiten, für die man ebenfalls etwas bekommt, für durchaus nicht zu verachtende zusätzliche Umsätze. Zwar nicht noch einmal so viel wie der eBookverkauf selbst, aber sicher mehr, um die zehn Prozent der anderen Shops aufzuwiegen. Allerdings muss sich man zur Nutzung von KU bei Amazon exklusiv verpflichten, darf also bei keinen anderen Shops seine eBooks anbieten.

Bei Amazon kann man in einem Aufwaschen aber auch sein Werk als Taschenbuch hochladen. Das ist wegen des Covers etwas kniffliger, funktioniert jedoch üblicherweise recht problemlos. Früher ging das nur über die Amazon-Tochter CreateSpace, heute kann KDP (Kindle Direct Publishing) das direkt mit anbieten. Die Marge ist bei Taschenbüchern allerdings nicht berauschend und das ist einfach nachvollziehbar. Schließlich sind Druck und Versand mit im Preis inbegriffen. Und Amazon itself möchte auch nicht leer ausgehen … ganz im Gegenteil. Bleibt für uns wenig übrig. Aber das Buch ist so auch als Print verfügbar, was mindestens einen professionelleren Eindruck beim Leser hinterlässt.

Ich empfehle darüberhinaus, eine gewisse Anzahl zusätzlich bei einer Digitaldruckerei, zum Beispiel Booksfactory drucken zu lassen (bitte achten auf die deutsche oder österreichische Website!), die nach meiner Erfahrung schnell, gut und kostengünstig arbeiten. Denn man braucht immer ein paar Exemplare für Rezensionen, Freunde und Bekannte und Lesungen. Viele Leser mögen signierte Exemplare, was beim eBook nicht geht. So gedruckte Bücher sind zwar etwas mehr Aufwand, man muss jedoch meist nur das Cover geringfüfig ändern. Dafür kommt man sehr viel billiger dabei weg als via KDP.

Distributoren, unsere ›Helfer‹

Wie gesagt: es gibt eine große Menge an Self-Publishern. Entsprechend sind auch ruck-zuck ebenso eine Menge geschäftstüchtige Leute auf die Idee gekommen, mitzuverdienen. Diese ›Helfer‹ kommen aus den unterschiedlichsten Lagern, bis hin zu Verlagen selbst. Der Wurm am Haken für die Self-Publisher heißt ›auf allen Plattformen sichtbar‹ und ›im Buchhandel erhältlich‹ und sogar ›Chance auf einen Verlagsvertrag‹. Namen nenne ich keine, denn diese Muster erkennt man schnell.

Im Prinzip spielen diese Firmen mit der Trägheit (ich will nichts mit dem Kram zu tun haben, ich bin Autor) und der Unwissenheit (überall, Buchhandel, Verlagsvertrag) von meist neu eingestiegenen Autoren. Meines Wissens macht keiner dieser Zwischenhändler explizit wirksame Werbung für seine Schäfchen. Das wäre meines Erachtens die einzige Rechtfertigung dafür, oft bis über die Hälfte der Autorenhonorare aus Verkäufen für sich zu behalten.

Manche bieten auch noch Lektorat, Korrektorat und Coverdesign an und wirken dadurch schon beinahe wie ein Verlag. Werden sogar von manchen Autoren als solcher bezeichnet. Klingt sehr beruhigend im Autorenohr, nur bezahlst du für diese Dienstleistungen – im Gegensatz zu einem wirklichen Verlag. Mit anderen Worten: die vermitteln diese Dienstleistungen lediglich und haben absolut nichts mit einem Verlag zu tun. Es sind Druckereien mit Verteilerfunktion an die jeweiligen Shops, sonst nichts. Es gibt zwar welche, die ihren eigenen Shop anbieten samt Bestsellern und Neuerscheinungen. Allerdings frage ich mich, welcher Leser dort seine Lektüre sucht.

Was kann man also von den vielen Distributoren – manche nennen sich auch eBook-Verlage – halten? Sehen wir uns die maximal möglichen Leistungen einmal an. Bitte bedenke, dass das nur die maximalen Möglichkeiten sind, die aber keiner in ihrer Gesamtheit so anbietet. Du schickst dein Mansuksript ab, das
1. lektoriert und korrigiert wird (kostenpflichtig, optional).
Es wird 2. ein Cover für Print und eBook erstellt (kostenpflichtig, optional).
Dein abgesegnetes Manuskript lädst du 3. hoch (als Word & Co), womit es in Form gebracht wird (manchmal kostenpflichtig). Für all die Leistungen zahlst du oft einen Pauschalbetrag und gibst dann zusätzlich oft bis mehr als die Hälfte deiner Tantiemenhonorare ab. Das Buch wird dann als eBook auf den meisten Plattformen hochgeladen, von Amazon bis iBooks und alles dazwischen. Mitunter bekommt man eine Gratis-ISBN (die man aber nur für den Buchhandel bräuchte) und einen Eintrag im VLB (der auch nur für den Buchhandel nützt). Sinnhaftigkeit: siehe oben.

Was, wenn du das alles selbst machst? Du würdest dir 1. einen Lektor und Korrektor selbst suchen, was natürlich mit etwas Aufwand verbunden ist. Allerdings hast du dann den, bei dem Arbeitsweise und Chemie passen (nicht unwichtig, finde ich).
Für 2. das Cover suchst du dir eine Coverdesignerin nach deinem Geschmack. Auch das ist viel Wert!
Und dann geht es ums 3. Hochladen. Der Artikel soll keine Schleichwerbung für Patchwork sein. Trotzdem ein Satz dazu: Dort kostet dich die Erzeugung eines mobi-eBooks (Amazon) und epup-eBooks (fast Rest der Welt) genau zwei Mausklicks. Für den Druck ist es ein klein wenig aufwändiger, weil du das Dokument durchsehen solltest. Mehr ist es aber auch da nicht, denn Patchwork übernimmt die komplette Formatierung. Ich würde dieser Art den Vorzug geben. Du kannst zwar bei Amazon auch eine Word-Datei hochladen, hast dann aber keine detaillierte Kontrolle und zusätzlich doch die ganze Formatierungsverantwortung.

Fazit: Wenn dir die minimale Erleichterung und die größere Reichweite einen guten Teil deines Autorenhonorars wert sind, dann ist ein Distributor deine Wahl. Allerdings bleibt dir nicht erspart, in der Fülle den passenden zu finden. Da ist dann schon wieder die Frage, ob du diese Zeit nicht besser in zum Beispiel das Kontrollieren für einen perfekten Satz und das eigene Hochladen investierst.
Wenn du gerne ein bisschen dazulernen möchtest und so mehr Kontrolle über dein Werk und den gesamten Vorgang haben möchtest, dann ist es heute kein Drama mehr, alles selbst zu machen. Und du bekommst die volle Marge für deine Verkäufe.

Dieses und eine Menge anderes Interessantes – von der Ideenfindung bis zum Marketing – findest du in meinem Buch ›Ich möchte gern ein Buch schreiben‹, siehe oben Buch für Autoren.

Bildquelle: pixabay, Foundry

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