Preisgestaltung bei eBooks

Speziell für Neueinsteiger ist die Preisgestaltung für Bücher oft ein Fragezeichen. Denn es tummelt sich absolut alles auf dem Markt. Was ist möglich, was realistisch?

Die Preisgestaltung ist ein heißes Thema, überall auf der ganzen Welt und bei jedem Produkt. Es gilt generell, genau den richtigen Preis zu erwischen, der gerade noch bezahlt wird, ohne sich negativ auf den Absatz auszuwirken. Nur – wie findet man diesen Punkt heraus?

Ein Prinzip lautet Angebot und Nachfrage. Ein Spruch besagt, dass etwas nichts Wert ist, das nichts kostet. Und schließlich soll Geiz geil sein (ich kann’s nimmer hören). Irgendwo in der Mitte? Wie auch beim Schreiben spielt das eigene Selbstbewusstsein bei der Preisgestaltung absolut keine Rolle. Es zählt nur eines: der Leser und beim Preis, was der Leser bereit ist, zu bezahlen. Dass es so und so viel Arbeit war, ist genauso irrelevant wie irgendwelche mathematischen oder kaufmännischen Überlegungen.

Ausschlaggebend ist nur Angebot und Nachfrage. Ist man un- oder normal bekannt und auch noch in einem Genre unterwegs, wo es sehr viel Mitbewerb gibt, wird der Preis niedriger sein müssen, als wenn die Leser nach deinen Büchern lechzen, weil du bekannt bist oder weil du erotische Geschichten schreibst. Je vergleichbarer du bist, umso mehr spielt auch der Preis beim Vergleich eine Rolle. Zwar ist jeder von uns einzigartig, was wir nie vergessen sollten, aber, wie gesagt, der Leser hat das Sagen. Versetze dich also in die Lage des Lesers und frage dich: was würdest du für ein Buch bezahlen, dass deinem ähnlich ist?

Was meines Erachtens nicht funktioniert: Verlage verfolgen eine mir absolut nicht nachvollziehbare Strategie: kalkuliert wird das Printbuch und dann wird der Preis für das eBook um rund 20% niedriger angesetzt. Argument: Man hätte ja trotzdem Lektorat, Korrektorat, Cover und Marketing, der Druck entfiele halt. Das stimmt schon. Nur entfällt noch etwas und das wird einfach unter den Tisch gekehrt: auch der Buchhandel fällt weg. Und das sind in der Regel immerhin satte 50%! Um für die oben erwähnten Leistungen gleich kostendeckend wie ein Printbuch zu sein, kann ein eBook über 80% billiger sein!

Diese Kriterien sind hilfreich bei der Preisfindung:

  1. Ordne dein Buch einem Genre zu und begib dich auf Spionagetour auf Amazon. Schau nach, was die Spitzenplätze für Preise haben.
  2. Achte bei dieser Recherche darauf, ob es bekannte oder unbekannte Autoren sind! Bekannte Autoren haben Follower, die unbedingt das neueste Buch auch wieder haben wollen. In so einem Fall kann man durchaus ein wenig mehr verlangen.
  3. Wenn du dein Genre gefunden hast, dann wirst du sehen, dass Sachbücher andere Preise haben als Fantasy und Erotik andere als Entwicklungsromane. Für ein Sachbuch oder Erotik bekommst du mehr als für eine romantische Geschichte oder Fantasy.
  4. Das Argument, dass dein Buch 100 Seiten mehr hat, kannst du getrost vergessen. Der Leser sieht den Titel, das Cover, liest den Klappentext. Er schaut sehr selten auf die Seitenanzahl. Es zählen Genre, Titel, Cover, Preis.
  5. Wenn du sehr viele Seiten hast, also 500 oder mehr, dann überlege dir, einen Zwei- oder Dreiteiler daraus zu machen. Wie gesagt: deshalb teurer zu werden funktioniert ncht. Du kannst ja später einen Sammelband anbieten, in dem etwa alle drei enthalten sind und der dann 5,99 kostet.
  6. Trotz all diesen Überlegungen habe ich schon die kuriosesten Sachen erlebt. Newcomer zum Beispiel, die 4,99 verlangt haben und in die Top 100 kamen, ohne auch nur einen Einführungspreis zu geben. Hypes wie Shades of Grey. Hinter solchen Seltenheiten steckt etwas Magisches, das sich nicht berechnen lässt: es ist nicht erfülltes innerstes Leserbedürfnis, gepaart mit dem richtigen Zeitpunkt und Ort – unkalkulierbar. Also am besten schnell vergessen. Nicht dass ich dafür wäre, stets kleine Brötchen zu backen, ganz im Gegenteil. Nur erzwingen kann man so etwas nicht.

Nun noch ein Vorschlag für die, die gerne konkret Zahlen (ich rede nur von Amazon) wollen, für gängige Genres (Fantasy, Romance …): Eine kurze Zeit ein Einführungspreis von 99 Cent, um in der Sichtbarkeit zu steigen. Dann auf 2,99 gehen. Alles unter 2,99 bringt nichts, vor allem, weil es erst ab 2,99 die 70% Provision gibt, darunter sind es 30%.

Der Preis bestimmt letztendlich aber nicht den Verkaufserfolg, sondern ausschließlich eine gute Geschichte und ein ausgezeichnetes Marketing.

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