Füllwörter in Szenen

Home Foren Patchwork3 Praxistalk Füllwörter in Szenen

Dieses Thema enthält 9 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von martin martin vor 4 Monate, 3 Wochen.

Ansicht von 10 Beiträgen - 1 bis 10 (von insgesamt 10)
  • Autor
    Beiträge
  • #37927
    Martina
    Martina
    Teilnehmer
    • Beiträge: 135
    • übernachtet manchmal

    Hallo alle zusammen,

    ich habe eine Frage an alle die schon länger mit Patchwork schreiben und die Szenen prüfen. Es geht um die Füllwörter. Im Tab Prüfen unter Stilanalyse sind die Füllwörter durchgestrichen mit einem Kreuz. Für mich ist das Prüfen der Szenen und Text totales neu Land. Im Internet habe ich gelesen das man Füllwörter komplett aus den Texten/Szenen streichen sollte und auch das Füllwörter einen schlechten Text auszeichnen. Nun bin ich leicht verunsichert/verwirrt.

    1. Sind Füllwörter im Text einer Geschichte nicht eigentlich wichtig?

    2. Streicht ihr alle Füllwörter aus den Szenen?

    3. Welche Füllwörter lasst ihr immer auf jeden Fall in den Szenen stehen wenn ihr sie nicht streicht?

    4. Auf welche Worte achtet ihr beim prüfen einer Szene bzw. welche Sachen lasst ihr euch von der Stilanalyse angezeigt?

    Über Tipps und Bemerkungen wäre ich euch sehr dankbar.

    Liebe Grüße

    Martina

    #37928
    Falconidae
    Falconidae
    Teilnehmer
    • Beiträge: 79
    • übernachtet manchmal

    Hallo Martina,

    1. Füllwörter in einem Text sind nicht wichtig. Sie blähen den Text nur unnötig auf.

    Beispiel: Es ging ihm wirklich schlecht!

    Das wirklich ist unnötig, da es nur das schlecht noch weiter hervorheben will, der Satz dadurch aber an Prezision verliert.

    2. Ich versuche fast alle Füllwörte rigoros zu eleminieren. Es sei denn esist für den Satz elementar.

    Beispiel: Sie erfuhr, dass ihre Eltern noch lebten.

    Das noch wird zwar als Füllwort markiert, darf aber bleiben, da der Satz sonst kaputt ist.Man könnte auch schreiben: Sie erfuhr,dasihre Eltern am Leben waren. Ist also Geschmackssache

    3. Wenn der Sinn des Satzes sonst verloren geht (siehe oben) und ich keine  Möglichkeit habe ihn vernünftig umzuschreiben. (Ist aber selten der Fall!)

    4. Ich gehe alle Optionen bei der Stilprüfung einzeln (sonst sehe ich nur noch Farben ;-)) durch. Besonders Wert lege ich auf schwache Verben, Adjektive und Show don’t tell. Aber das ist sehr individuell und kommt drauf an welche “ungüstigen” Dinge du oft einbaust. Bei mir sind es die oben genannten. Amtsdeutsch oder lange Sätze habe ich eigentlich nie, aber das kann bei dir anders sein. Am Besten probierst du einfach mal etwas rum.

    Noch ein Tipp:

    Korriere am besten erst wenn du den ersten Entwurf fertig hast, wenn du direkt nach dem schreiben korrigierst, drehst du durch und kommst nie weiter.

    Liebe Grüße

    Miriam

    #37929
    Martina
    Martina
    Teilnehmer
    • Beiträge: 135
    • übernachtet manchmal

    Hallo Miriam,

    danke für deine Tipps. Streichst du die Füllwörter auch in der wörtlichen Rede oder lässt du sie dort einfach stehen?

    Liebe Grüße

    Martina

    #37930
    Falconidae
    Falconidae
    Teilnehmer
    • Beiträge: 79
    • übernachtet manchmal

    Hallo Martina,

    Da lasse ich sie stehen, wenn es nicht zu viel wird. Denn es kann ja zur “Stimme” der Firgur passen, solche Füllwörter zu benutzen. Aber dann sollte es nur eine Figur sein und nicht alle. Zum Beispiel wenn jemand in der Geschichte die Eigenart hat etwas oft besonders zu betonen. Aber auch dann am Besten mit Maß, denn wenn es dem Leser bewusst auffällt, wirkt es schnell penetrant und nervt.

    Liebe Grüße

    #37932

    patchy
    Teilnehmer
    • Beiträge: 34
    • öfters hier

    Hallo Martina,

     

    Füllwörter geben dem Gesagten/Geschriebenen eine bestimmte Nuance. Manchmal ist das wichtig, weil sich dadurch die Aussage des Satzes verändert, manchmal wird nur die Information, die transportiert werden soll, unnötig verwässert.

    Wir benutzen sie meist automatisch und unbewusst. Das hat in der gesprochenen Kommunikation durchaus seine Berechtigung, da hier die durch die Füllwörter eingebrachte Nuance ein wichtiger Teil der Kommunikation ist. Leider schleichen sie sich durch diese Angewohnheit aber auch in geschriebene Texte ein, wo sie Sätze, die klar verständlich und direkt beim Leser ankommen sollen, unnötig verwässern.

    Nur dazu dient die Füllwort-Suche: sie soll es dir leichter machen, Füllwörter zu finden, die sich unbewusst und ungewollt eingeschlichen haben und die du in der Überarbeitung streichen möchtest, damit dein Text weniger verwässert und damit stärker wird.

    Ein Beispiel von veröffentlichten Texten (entnommen von http://www.letter-factory.com/elektorat.php):

    Vergleichende Beispiele:
    Tolkien – Der kleine Hobbit (Das letzte Kapitel)
    Die ursprüngliche Textlänge betrug:
    1976 Wörter

    Die gekürzte Textlänge beträgt:
    1842 Wörter

    Anzahl der gestrichenen Wörter:
    134 Wörter

    Füllwörteranteil:
    6.78 %

    J.K. Rowling – Harry Potter 4.Band (Die Narbe)
    Die ursprüngliche Textlänge betrug:
    2498 Wörter

    Die gekürzte Textlänge beträgt:
    2332 Wörter

    Anzahl der gestrichenen Wörter:
    166 Wörter

    Füllwörteranteil:
    6.65 %

    Eine AFP-Pressemeldung
    Die ursprüngliche Textlänge betrug:
    290 Wörter

    Die gekürzte Textlänge beträgt:
    285 Wörter

    Anzahl der gestrichenen Wörter:
    5 Wörter

    Füllwörteranteil:
    1.72 %

    Goethe’s Faust (Am Brunnen) (100% Dialoglastig)
    Die ursprüngliche Textlänge betrug:
    230 Wörter

    Die gekürzte Textlänge beträgt:
    205 Wörter

    Anzahl der gestrichenen Wörter:
    25 Wörter

    Füllwörteranteil:
    10.87 %

    Du siehst, dass in Texten, die reine Information vermitteln sollen, besonders wenige Füllwörter auftauchen (1,72% in der Pressemeldung) und in Texten, die dialoglastiger und “lebendiger” sind, entsprechend mehr (10,87% im Faust-Auszug). Trotzdem kommen in allen fertigen Texten Füllwörter vor, das ist ganz normal und lässt sich nicht vermeiden.

     

    Liebe Grüße,

    patchy

    #37933
    martin
    martin
    Keymaster
    • Beiträge: 4695
    • Käpt'n

    Hallo Martina,

    habe dein Post in den gestern erstellten Bereich ›Praxistalk‹ verschoben.

    Wir hatten das die tage ja bezüglich der Stilprüfung generell. Ich selbst nin weder bei Füllwörtern noch anderen angemeckerten Stellen der Ansicht, man müsse sie komplett ausmerzen.

    Bei Füllwörtern wird man das zwar meistens können, aber man muss sich dann eventuell eine Umschreibung einfallen lassen, was nicht im Sinne des Erfinders ist. Sehen wir uns doch mal die Füllwörter in diesem Text an:

    1. FüllwörterHier handelt es sich um das Substantiv, das Füllwort dazu würde etwa lauten: ›Mach das doch mal‹. So ist es hier nicht, also okay.
    2. Das ›Nun‹ könnte man hier zwar weglassen. Ich behalte es aber, weil es die Überleitung vom allgemeinen ersten Satz zur aktuellen Erzählung hin ist.
    3. Ein Fall, bei dem mir kein Nicht-Füllwort-Ersatz einfällt. Denn ›nicht‹ ist auch nicht besser.
    4. Wie (1): Es geht darum, den Leser mit der Geschichte zu verbinden, in also ins Hier und Jetzt zu holen.
    5. Habe keine Idee für besseren Ersatz. Meistens ist nun mal nicht immer.
    6. ›Trotzdem‹ könnte man durch unerwartetwerweise oder sowas ersetzen. Könnte man drüber diakutieren, aber als wirkliche Fauxpas sehe ich es nicht, weil es den Kontrast zur leblosen Basis hervorhebt. Wegassen dessen oder eines Ersatzes geht gar nicht.
    7. Oho, gleich drei hintereinander :-) Sicher ließe sich eine literarischere, intellektuellere Variante finden. Aber Hand aufs Herz – ist das nötig?
    8. Holt hier den Leser wieder ins Jetzt. Wäre eventuell nicht nötig, wäre die Geschichte im Präsens geschrieben.
    9. Gut, hier könnte man umschreiben mit z.B. ›… wobei sie abwechselnd den Part des Angreifers übernahmen‹. Das sind m.E. einzigen beiden Füllwörter, die man zugunsten eines besseren Texts ersetzen könnte.

    Wir können aber gern darüber diskutieren.

    und, wie Falconidae ja schon gesagt hat: Bei Dialogen ist das etwas ganz anderes, dort sind sie kennzeichnend für den Duktus des Sprechers.

    Viele Grüße
    Martin

    #37936
    Martina
    Martina
    Teilnehmer
    • Beiträge: 135
    • übernachtet manchmal

    Hallo Martin,

    ich weiß nicht ob ich dich richtig verstanden habe. Aber das heißt doch dann das du deinen Text nicht prüfst und änderst? Oder wie prüfst du dann deinen Text, wenn du die Füllwörter und so der Stilanaylse nicht rasunimmst?

    Ich dachte das Prüfen ist dafür da damit der Text nochmal geändert und besser wird?

    Liebe Grüße

    Martina

    #37940
    martin
    martin
    Keymaster
    • Beiträge: 4695
    • Käpt'n

    Hallo Martina,

    ich schreibe schon recht lange. Im Lauf der Zeit bekommt man all das ins Gefühl und spürt, wenn ein Text nicht passt. Wenn ich mich an einen meiner Texte setze, die Prüfung aktiviere und über jede Anmerkung grüble, dann fällt mir natürlich Verbesserungspotenzial auf. Man kann fast immer etwas noch griffiger machen, ohne dass die Atmosphäre darunter leidet. Am Anfang, sagen wir mal bis zum fünften Buch, sollte man das auch tun.

    Andererseits bin ich ein Verfechter der 80-20-Regel: Mit 20% Aufwand 80% Nutzen, für die restlichen 20% bräuchte man 80% an Aufwand. Wobei ich glaube, dass das Verhältnis bei mir vielleicht bei 95/5 liegt. Mir ist die Geschichte wichtig, dir Figuren zu treffen, Emotionen herauszuarbeiten, möglichst korrekte RS/Grammatik und beim Rest erlaube ich mir meistens, mich auf mein Sprachgefühl zu verlassen.

    Wie gesagt: Bis zum fünften Buch empfehle ich jedem, die Prüfung zu nutzen und sich über die Vorschläge Gedanken zu machen, so, wie ich es in dem Beispiel oben getan habe. Nur eben ganz wichtig: ansehen – überlegen – entscheiden. Nicht alles ratzfatz streichen, das geht ins Aug. Schreiben ist Kunst und keine reine Mechanik – will heißen, dass man nicht mit einer Stilprüfung automatisch gute Geschichten schreibt. Die ist lediglich für den Feinschliff.

    Liebe Grüße
    Martin

    #37944
    Alfred
    Alfred
    Teilnehmer
    • Beiträge: 314
    • macht Urlaub hier

    Hallo Martina,

    auch ich möchte mich zur Stilanalyse äußern. Ich sehe es ähnlich wie Miriam und gehe auch ähnlich vor. Insbesonders die schwachen Verben, Füllwörter und Unwörter versuche ich zu eliminieren, wobei auch ich mich mit einer 80 % Regelung begnüge.

    Wie man an dem Post von patchy sieht, enthalten auch sehr erfolgreiche Werke genügend Füllwörter.

    Martin,

    aus dem Beispiel von patchy geht auch hervor, dass auch andere Texte mit Prozentzahlen analysieren. Ich habe dies ja vor einiger Zeit angeregt. Vielleicht kann sich ja doch noch der eine oder andere aus der PW Gemeinde diesem Wunsch anschließen.

    #37945
    martin
    martin
    Keymaster
    • Beiträge: 4695
    • Käpt'n

    Hallo Alfred,

    ich finde einen Prozentsatz nicht hilfreich, weil man so ja etwa bei der Hälfte der Kapitel alle z.B. Füllwörter vernichten könnte und bei der anderen Hälfte keine und so einen guten Verbesserungswert erreichen würde. Wo und warum man die ganzen Pfui-Wörter nutzt oder besser streicht, ist schlicht sehr kontextabhängig.

    Genau dafür gibt es ja die aufwändige Wortanalyse (Menütab ‘ Prüfen ‘ › Sektion ‘Wortanalyse’ › Schaltfläche ‘Genaue Wortanalyse auf Basis von Wortstämmen mit optionalem Hemingway-Vergleich’), die viel besseren Aufschluss darüber gibt, wo es hapert.

    Viele Grüße
    Martin

Ansicht von 10 Beiträgen - 1 bis 10 (von insgesamt 10)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.