Idee vorhanden – wie beginne ich?

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Dieses Thema enthält 7 Antworten und 5 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von martin martin vor 6 Monate, 2 Wochen.

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    martin
    martin
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    • Käpt'n

    Der Ideennebel in unseren Gedanken lichtet sich, es treten daraus Figuren, Orte und Handlungen hervor. Vielleicht tritt die Protagonistin provokant vor uns, reckt ihr Kinn vor und scheint zu fragen: »Und? Wan geht’s endlich los?«

    Das ist der Punkt, an dem sich viele dazu hinreißen lassen, loszuschreiben. Und ich nehme mich da nicht aus. Oder sagen wir: ich nahm mich nicht. Denn mittlerweile habe ich einige der Schattenseiten des Drauflosschreibens erlebt, von der Schreibblockade bis zum notwendigen Streichen oder Umstellen der Geschichte. Es lohnt sich also, zu plotten. Nur wie?

    Anstoß für diesen Beitrag ist ein Post in der Gruppe Autoren- & Patchwork-Knowhow auf Facebook. Dort kann man den kleinen Thread nachlesen.

    ~ o ~

    Meine Meinung (dort) zum Thema ohne Patchwork

    Ich finde Methoden hilfreich, die einem helfen, ein Projekt strukturiert anzugehen. Das ist für mich selbst eine kleine Herausforderung, weil ich eher Bauchschreiber bin und die Geschichte sich gerne entwickeln lasse.

    Ich bin aber auch dahintergekommen, dass eine Geschichte bereits in dieser Phase, wo alles noch auf einer Metaebene abläuft, in der Lage ist, sich selbst einzubringen.
    Die Geschichte und die Idee sind das eine, aber gewisse Geschichten-Gesetze das andere. Um die kommt man nämlich nicht herum, wenn sie Leser mitreißen soll. Zum Beispiel eine Spannungskurve.

    Nun konkret: Ich finde die Schneeflockenmethode im Prinzip gut geeignet zum Plotten. Du findest dazu genug im Internet – einer der Links: http://www.schriftsteller-werden.de/…/wie-du-einen…/

    Man beginnt dabei mit einem Kernsatz. Einem SATZ, in dem man die Geschichte beschreibt. Herausforderung „smile“-Emoticon Um den herum gruppiert man die Akte, zum Beispiel drei oder fünf, wieder in einem Satz. Dann erweitert man den jeweiligen Satz (er bleibt aber erhalten) zu einem Absatz. Den Rest bitte bei etwa dem verlinkten Artikel nachlesen.
    Das mit den Absätzen finde ich jetzt nicht so toll, ich gruppiere einfach immer detaillierter rundherum kleinere Satzhäppchen. Du kannst dafür zum Beispiel Zettel oder Powerpoint verwenden.

    Was ich abweichend auch etwas anders handhabe, sind die Figuren. Diese sollte man möglichst früh einbeziehen, unbedingt, besser vielleicht vor dem Plotten entwerfen. Ein Trick für die Figuren: jede einem Persönlichkeitstyp zuordnen. Hierzu ein heißer Tipp ist dieser Charaktergenerator: http://www.ebookboss.de/charaktergenerator…/. Um die Figur dann näher kennnzulernen, empfiehlt sich ein Figurenblatt, wo du zig Charakteristika der Figur sozusagen in einem Fragebogen beantwortest und so die Figur kennenlernst. Ich nenne das das Protagonisten-Interview. Ronny Rindler sagt dazu auf seiner Seite etwas: https://www.rindlerwahn.de/character-sheet-figurenblatt…/
    Ich hoffe, dass dir das als Einstieg weiterhilft.

    Plot mit Patchwork in 9 Schritten

    Tipp: Halte deine unbändige Schreiblust im Zaum und strukturiere vorher. Es macht Spaß – versprochen! Und es bringt viel!

    Patchwork soll ja nicht nur bei der Grammatik helfen, sondern in allen Belangen, die einen Autor rund um sein Werk betreffen: von der Ideenumsetzung bis hin zur Veröffentlichung für Print, eBook oder Ausgabe eines Exposés an einen Verlag.

    Noch gibt es genau dazu kein Video, aber das wird sich in den nächsten Monaten ändern. Es soll hier auch kein großes Tutorial werden, lediglich ein paar Stichworte, zu denen man in der Hilfe oder auch bei Patchwork-Videos nähere Informationen erhält. Oder in der besagter Facebook-Gruppe fragen oder hier im Forum.

    Schritt 1: Ein neues Projekt anlegen
    Hier vorerst einmal nur bei der Frage, ob eine Timeline angelegt werden soll mit ja antworten, den (vorläufig) zeitlichen Rahmen des Werks angeben und den Kalender bestätigen (Knopf links mit Kalender-/Häkchensymbol).

    Schritt 2: Figuren entwerfen
    Ich finde diesen den wichtigsten ersten Schritt, auch wenn sich die Geschichte gern in den Vordergrund drängen mag. Denn ohne Figuren geht gar nichts. Es sei denn, es wird ein Kochbuch.
    Bei Figuren: Zuerst den Typ der wenigen Hauptfiguren klären. Dafür ist eine gute Idee, mit dem Charakter-Archetyp zu beginnen. Dann Anlage der Figuren in Patchwork. Dort zu den Hauptfiguren ein Figurenblatt ausfüllen.

    Schritt 3: Struktur entwerfen
    Ohne dass ein Wort geschrieben sein muss, begeben wir uns ins Kreativboard. Dort erstellen wir, ähnlich der Schneeflockenmethode, einen Basissatz, um den wir unsere Hauptakte gruppieren. Ein Kreativboard-Element enthält vordergründig einen Titel und einen Text. Der Titel wird unser späterer Szenentitel und der Text der Pitch (Synopse, Zusammenfassung) der zukünftigen Szene.

    Nun gehen wir in die Tiefe. Nacheinander pro Akt: Rechte Maustaste und dort im Kontextmenü ›Instanz zu Element erzeugen‹. Dadurch wird eine neue leere Bühne (Instanz) geöffnet, auf der wir unsere Kapitel wieder als Elemente anlegen.

    Wenn es Komplexität oder Umfang erfordern, gehen wir (teilweise) noch eine Stufe in die Tiefe und dort gleich vor.

    Schritt 4: Zeitliche Abfolge
    Nun aktivieren wir die instanzbezogene Timeline des Kreativboards und weisen jedem Textelement mit dem Datumspflücker einen groben Zeitrahmen zu. Das geht sehr einfach und schnell. Auf diese Weise entsteht bei jeder Instanz links eine Timeline, die uns einen zeitlichen Überblick gewährt. Bei der obersten Instanz (der der Akte) vielleicht in Jahresschritten, in der Tiefe detaillierter.

    Schritt 5: Figurenzuordnung
    Wir können die Figuren – hauptsächlich die Protagonisten – auf das Kreativboard ziehen und mit den Textelementen (unseren zukünftigen Szenen) mit Pfeilen und Linien verbinden. Dadurch erhalten wir später auch eine Unterstützung bezüglich der Perspektive.

    Schritt 6: Erzählstränge zuweisen
    Mit Zuhilfenahme der fünf Stati (blauer Info-Knopf) können wir den Szenen bis zu fünf vom Hauptstrang abweichende Markierungen verpassen, die wir später mit Erzählsträngen verknüpfen werden. Die nicht markierten werden automatisch dem Hauptstrnag zugeordnet.

    Schritt 7: Hauptkapitel generieren lassen
    Nun erzeugen wir aus den Kreativboard-Elementen Szenen. Dabei gehen wir von der obersten Instanz aus:
    – Alle Textelemente markieren
    – Im Kontextmenü ›Szenen zu markierten Textelementen erzeugen‹
    – In dem sich nun öffnenden Fenster: ›dahinter anschließen‹, ›Nach Datum‹, ›Hauptkapitel‹
    – [erzeugen] – Es werden ein paar Hauptkapitel links in der Kapitelübersicht erzeugt

    Schritt 8: Handlungsstränge anlegen:
    In der Kapitelübersicht auf eine der nun existierenden Szenen stellen. Wenn das Dreieck links neben ›Titel‹ nach unten zeigt, draufklicken (= Details zuschalten) und mit dem grünen [+]-Knopf die Handlungsstränge mit Kurzbezeichnung anlegen (›Täter‹ ›Patrick‹, ›Belinda‹, ›Kommissar‹ usw.). Der Hauptstrang ist bereits da und kann/darf nicht verändert werden.

    Schritt 9: andere Instanzen überleiten
    Links in der Kapitelüberschrift auf das erste Hauptkapitel stellen und im Kreativboard die diesem Kapitel untergeordnete Instanz wählen (Doppelklick auf das Akt-Element der ersten Isnatnz).
    Wie bei Schritt 7 vorgehen, aber:
    – Ziel: darunter einfügen
    – Sortierung: Nach Datum
    – Figuren Szenen zuordnen: Wenn vorhanden und verbunden (Pfeile, Linien), dann anhaken
    – Umbruch: wahrscheinlich Unterkapitel
    – Status ordnet Element …: Durch Farben verbinden: Wenn ein Textelement z.B. blau war (also Eintippen von 4), dann bei dem dazupassenden Strang hier auch 4 eintippen, wodurch er vorne ebenfalls blau wird.
    – [erzeugen] – Es werden die untergeordneten Szenen (Untertkapitel?) erzeugt

    Klingt beim ersten Draufschauen kompliziert, ist aber eine enorme Unterstützung. Denn nun haben wir ein fix und fertiges Szenengerüst, bei jeder Szenen einen Kurztext zum Inhalt, eine Timeline, alles nach Erzählsträngen gegliedert und auch schon die passende Figur als Perspektivträger. Die perfekte Voraussetzung zum …

    … Schreiben :-)

    #20574

    varlin
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    Stimmt, klingt beim ersten Lesen wirklich kompliziert. Allerdings auch hilfreich. Bisher habe ich mehr geschrieben als mich mit Patchwork befasst. Das will ich in nächster Zeit ändern.

    Da ich fast täglich mit Kreativitäts- und Planungsprogrammen arbeite benutze ich bisher vor allem diese mir vertrauten Werkzeuge. So begleitet mich zum Beispiel das Mindmapping schon sehr viele Jahre. Ganz anders sieht es in Sachen Schreiben aus. Da wird Patchwork immer mehr zu einem häufig benutzten Programm.

    Ich bin also unterwegs aber noch lange nicht am Ziel. :)

    Gruss
    Walter

    #20575
    martin
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    • Käpt'n

    Hallo Walter,

    in anderen Bereichen sind Mindmap & Co schon lange gang und gäbe – wie ja auch du erfahren hast. Beim Schreiben sieht es da ganz anders aus. Vielleicht weil Autoren Künstler sind …?

    Auch mir werden erst peu à peu die Erfordernisse klar, die einen Schriftsteller unterstützen. Ich glaube, da wird es noch ein weitgreifendes Umdenken geben. Vermutung jedenfalls.

    Viele Grüße
    Martin

    #20576
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    Tolle Anleitung, mit der man etwas anfangen kann, um es dann auf seine eigene Art zu arbeiten anzupassen.
    Ich habe z.B. das Kreativ-Board kennen gelernt, mit dem ich schon etwas herumexperimentiert habe.

    #27441
    Walter
    Walter
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    • übernachtet manchmal

    Hallo!

    Habe beim Durchstöbern der Seite, diese tolle Übersicht und Anleitung gefunden, wie man das grundsätzlich angeht. Nur – wenn man so wie du selbst auch – erst beim Schreiben weiß, wie die Handlung weitergeht und auch Nebendarsteller erst beim Schreiben spontan entstehen, wie gehe ich dann die ganze Planung an. Da entstehen plötzlich Handlungsstränge, treten zusätzliche Charakter plötzlich auf, passieren Unfälle, ohne dass dies dem Autor vorab bekannt war! Wie soll man so etwas dann planen können? Kann man überhaupt plotten, wenn man so ein Schreibcharater ist???

     

    LG

    Walter

    #27443
    martin
    martin
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    • Käpt'n

    Hallo Walter,

    der Punkt 3 ›Struktur entwerfen‹ ist im Prinzip das Plotten. Wenn du mit dem Plotmodul arbeitest, dann ist das dort vorgeschaltet.

    Wie kommst du drauf, dass ich erst beim Schreiben weiß, wie die Handlung weitergeht? Das habe ich einmal probiert und es hat auch tatsächlich geklappt, aber ich würde es heute nie wieder machen, denn damals war das echt Glück.

    Abgesehen davon kommt es auch etwas auf das Genre an. Bei Romance-Geschichten kanst du loser plotten als bei einem Thriller, wo alles folgerichtig zusammenpassen muss.

    Viele Grüße
    Martin

    #31061

    Thimorin
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    • schaut mal rein

    Hallo Martin,

    gibt es ein gesondertes Video bei dir über Patchwork und Schneeflocken-Methode?

     

    #31062
    martin
    martin
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    • Käpt'n

    Hallo Thimorin,

    nein, gibt es keine (du findest unter den Videos alles, was es gibt). Was ist denn konkret unklar dazu?

    Viele Grüße
    Martin

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