Prämisse

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Dieses Thema enthält 17 Antworten und 6 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von marlow marlow vor 4 Monate, 3 Wochen.

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  • #40617
    Alfred
    Alfred
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    Hallo Martin,

    ich habe mal wieder eine Idee für PW. Diesmal geht es nicht um das Handling, sondern um das Schreibhandwerk, genauer gesagt, um die Prämisse.

    In vielen Schreibratgebern wird die Prämisse einer Geschichte als wichtiges Instrument für Autoren bei der Entwicklung oder Überarbeitung des Romans angesehen. Ich weiß natürlich, bei der Prämisse scheiden sich oft die Geister. Dennoch könnte man vielleicht das Thema Prämisse in PW aufnehmen und an zentraler Stelle parken, so dass es quasi stets präsent ist (so man denn möchte). Z.B. könnte sie bereits ganz oben in der Zeile des Projektnamens bzw. Lizenzinformationen stehen, oder kurz darunter, also zwischen Projektname und Menuenamen. Solltest du dich entschließen, die Prämisse zusätzlich aufzunehmen, bitte ich aber, diese nicht irgendwo zu verstecken, z.B. bei den Eckdaten, denn wer mit der Prämisse arbeitet, sollte sie stets parat sehen.

    Vielleicht könnte man auch hier, oder in MeWe in unserer Gruppe das Thema Prämisse aufnehmen und dort vielleicht diskutieren, wie wichtig es den einzelnen Autoren ist.

    Schöne Grüße

    #40618
    detlev
    detlev
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    So ähnlich mache ich es bei jedem Buchprojekt. Bei mir sind das kurze Beschreibungen der Hauptfiguren, ihre Historie und Wünsche an die Zukunft, dazu passende Bilder. So ähnlich dann für die 3 bis 5 wichtigen Handlungsstränge.
    Das sind über den Daumen 10 bis 15 Textblöcke, die ich in die ersten Szenen packe und immer wieder aufklappe. Ich verpasse den Szenen farbige Kennzeichen, habe sie damit ständig im Blick.
    Dazu gehören Abläufe, Flowcharts und Bilder im Kreativboard.
    Ich habe mir angewöhnt, scheinbar fertige Bücher 1-3 Monate bis zur Veröffentlichung liegen zu lassen, fange was ganz anderes an, versuche es aus meinem Kopf zu verdrängen. Was nie gelingt.
    Nach Ablauf des „Gärprozesses“ gehe ich erst in die Szenen und Flowcharts, die man mit “erweiterte Prämisse” bezeichnen könnte und dann durch den Text. Dann kommt die Veröffentlichung und darauf folgen schlaflose Nächte.
    Wie gesagt – alles in Bereich Szenen und Kreativboard, für mich das wichtigste Hilfsmittel. Früher waren dass Schmierzettel und ein Klemmbrett an der Wand. Mit Prämisse kann man meine Vorgehensweise nicht bezeichnen, aber es hat Ähnlichkeit. Synopsis passt auch. Oder Kernaussage. Oder – oder.
    Und alles im Kreativboard griffbereit untergebracht. Wie sagt man? Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
    Ich weiß, das deckt sich nicht mit Deinem Vorschlag oder Wunsch, Alfred. Ist nur ein Beitrag zur Vorgehensweise.

    #40619
    Alfred
    Alfred
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    Hallo Detlev,

    meine Arbeitsweise ähnelt sich sehr stark deiner, wobei ich bisher in PW das Kreativboard noch nicht verwende. Ich arbeite zwar schon seit  fast 2 Jahren mit PW, finde mich aber nur Stück für Stück rein. Ich packe meine Ideen bisher auch in Kapitel/Szenen, welche im Grund nichts mit dem Romantext zu tun haben, sondern nur dem “Entstehungsprozess” dienen.

    Mit der Prämisse meinte ich ganz klassisch, wie in der Lehre des “creative writing” die Kernaussage des Ganzen, also worauf es ankommt, wie es enden soll in einem kurzen Satz. Diesen Packe ich i.d.R. als Erste Szene ganz oben auf. Natürlich bietet PW eine Vielzahl von Möglichkeiten, diese Kernaussage unterzubringen, mein Vorschlag zielte allein darauf ab, den Satz immer präsent zu haben, sobald das Projekt aufgerufen wird, egal in welchem Menue man gerade steht.

    Wobei ich natürlich weiß, dass es Probleme geben kann, wenn man mit der Bändeverwaltung arbeitet. Da kann natürlich jeder einzelne Band eine eigene Prämisse haben. Wie man es dann löst – das wäre natürlich eine Herausforderung für Martin.

    #40620
    detlev
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    Hallo Alfred,
    ohne meiner früheren Arbeitsweise eine Bezeichnung gegeben zu haben, war es im Grunde Kreativboard. Oder anders – ich bin offenbar ein visueller Typ.
    Dann kam PW und KB und ich habe meine Arbeitsweise dahin übernommen.
    Unten 2 Beispiele.

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    #40623
    detlev
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    Eine Prämisse wäre – und die passt über viele meiner Bücher –
    Die Welt ist schlecht. Wir haben nur eine Chance, wir müssen noch schlechter sein.

    #40624
    Alfred
    Alfred
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    Hallo Detlev,

    danke für den Einblick in deine Arbeitsweise. Vielleicht wage ich mich auch einmal an das KB ran – könnte doch hilfreich sein, die Geschichte zu visualisieren.

    Was die Bände anbelangt – da hast du natürlich recht – eine solche Prämisse passt oft. Ich bin aber überzeugt, dass sich auch in diesen oft eine noch präzisere Prämisse finden lässt.

    Ich werde mir mal Bücher von dir besorgen. Leider finde ich aber für meinen Tolino nur 2 von dir – Das Attentat und Grenzgänger. Die übrigen scheinen nur im Kindel zu haben sein, und Amazon lehne ich ab. Oder gibt es mehr für den Tolino, oder noch besser auf Papier! (ich bin Haptiker was Bücher anbelangt)

     

    #40626
    martin
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    Hallo Alfred,

    schöne Idee.

    Mangels Platz an einem fixen Ort – die Prämisse nutzen sicher nicht alle und Platz ist Gold – können wir das nur so lösen, indem es eine aktivierbare verschiebbare Fläche gibt, in der ein Satz steht.

    Viele Grüße
    Martin

    #40627
    martin
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    Kann mir das etwa so vorstellen. Und: ein Satz, eine Zeile! In der Kürze liegt die Würze :-)

    Den Satz kann man sich hinschieben, wo man möchte.

    prämi

    #40628
    Alfred
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    Martin,

    klasse Lösung. Genau so habe ich es mir vorgestellt.

    #40633
    MartinZ
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    Hallo zusammen,

    ich habe mir die Diskussion hier durchgelesen und muss gestehen, dass ich nicht wirklich weiß, um was es geht bzw. was Euer Anliegen ist. M.a.W. ich blick nicht wirklich durch.
    Vielleicht könnt Ihr mir den Vorteil Eurer Überlegungen einmal erläutern. Ich würde gerne daran partizipieren.

    Herzliche Grüße
    Martin.

    #40634
    martin
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    Zum Beispiel hier, wenn Suche nach Prämisse Literatur, etwa das hier.

    #40635
    marlow
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    Hallo Martin,

    der einfachheithalber zitiere ich mal:

    Prämisse
    Wenn man von der Essenz einer Geschichte spricht, meint man damit die Prämisse. Die Prämisse erzählt die Geschichte in einem Satz, wobei sie spezifischer als die Logline ist. Sie entsteht direkt aus der Hauptfigur und dem zentralen Antagonismus/Konflikt und enthält den Anstoß oder ersten Plot-Point sowie das Want der Hauptfigur. Ein wichtiger Bestandteil der Prämisse ist darüberhinaus, auch das Need der Hauptfigur bzw. das Thema der Geschichte sowie das Ende anzudeuten. Daraus ergibt sich eine (Erzähl-)Haltung, die dem Autor hilft zu erkennen, worum es in seiner Geschichte eigentlich geht und warum sie so enden muss. Auf diese Weise dient die Prämisse dem Autor als Werkzeug, um die Handlung seiner Geschichte auf das Wesentliche zu fokussieren und jede Szene in diesem Sinne zu hinterfragen. Der Begriff ‚Prämisse‘ wurde von Lajos Egri in seinem Buch „Dramatisches Schreiben“ (1946) geprägt.

     

    Ich weiß, es grenzt an Frevel, dass ich hier die Konkurrenz erwähne, aber das Nachschlagewerk DramaWiki, das sich auf die Filmdramaturgie bezieht, aber grundsätzlich auch für Prosa- und Theaterwerke Gültigkeit hat, ist ziemlich gut. Diese Erklärung der Prämisse findest du dort unter dem Punkt Textarten.

    Viele Grüße
    Marlow

    PS: Ich bin damals direkt zu Patchwork gewechselt, nachdem ich DQ mal getestet hatte. ;-)
    Aber DramaWiki habe ich immer wieder genutzt.

     

     

    #40636
    MartinZ
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    Hallo zusammen,

    ich habe mir nun Eure beiden Texte über die Prämisse durchgelesen und komme zu dem Schluss, dass ich eine solche Prämisse stets in meinem Kopf mit mir herumtrage, wenn ich an dem entsprechenden Buch sitze.

    In dem von Martin empfohlenen Text habe ich folgendes gefunden:

    Ich persönlich denke, dass es von Autor zu Autor unterschiedlich sein kann, ob eine Prämisse hilft oder nicht. Jeder Arbeitsprozess ist anders. Es schadet sicherlich nicht, sich über die Prämisse seines Werks Gedanken zu machen. Aber braucht man zwingend eine Prämisse, um einen spannenden, guten Roman schreiben zu können? Nein.

    Ich persönlich finde es beispielsweise deutlich hilfreicher, mit einem Thema zu arbeiten. Ein Thema kann ich von allen möglichen Seiten beleuchten, in allen möglichen Figurenkonstellationen und in vielen verschiedenen Arten. Eine Prämisse würde dagegen nur einen Aspekt eines Themas widerspiegeln.

    In der Tat ist es für mich so, dass ich sowohl ein Thema im Kopf habe, worum es gehen soll, als auch sozusagen eine Prämisse, die für mich das Ziel des Buches ist.

    … das Thema der Geschichte sowie das Ende anzudeuten. Daraus ergibt sich eine (Erzähl-)Haltung, die dem Autor hilft zu erkennen, worum es in seiner Geschichte eigentlich geht und warum sie so enden muss.

    Dieser Aussage zufolge wäre die Prämisse aber nicht mehr in einem Satz zu formulieren.
    Wie es auch immer sei, ich könnte mir vorstellen, einen “Prämissensatz” immer vor Augen zu haben, könnte durchaus hilfreich sein.

    Herzliche Grüße
    Martin.

    #40637
    Pam
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    Hallo zusammen,

    an der Prämisse scheiden sich die Geister wohl ebenso wie am Plot. Auch ich las in Schreibratgebern, einer Geschichte würde ohne Prämisse die Spannung fehlen. In einem dieser Ratgeber wurde gar die Behauptung aufgestellt, ein Manuskript würde von einem Verlag nur aufgrund fehlender Prämisse abgelehnt.

    Braucht eine Geschichte demnach zwingend einen Satz, der die Prämisse prägnant beschreibt und an dem sich der Schriftsteller orientieren kann? Schaden kann es sicher nicht. Aber eine Prämisse allein generiert noch keinen guten Roman. Ein guter Autor ist wie ein Fünf-Sterne-Koch. Erst die gekonnte Mischung der Zutaten, gespickt mit der richtigen Menge an Gewürzen, macht aus einem Gericht ein schmackhaftes Gaumenerlebnis.

    Martins Lösung, die Prämisse in einem verschiebbaren Pop-up unterzubringen, finde ich sehr gut. So haben Autor/innen diesen Satz jederzeit im Blick – wenn sie möchten.

    Viele Grüße
    Pam

    #40638
    martin
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    Hallo Pam,

    … ein Manuskript würde von einem Verlag nur aufgrund fehlender Prämisse abgelehnt.

    Das würde mich sehr wundern und klingt ein wenig nach verbreiteter Branchenklugscheißerei. Aber vor allem als Neuautor ist es sicher kein Fehler, um die Existenz der Prämisse zu wissen und dieses sein Wissen ggf. in einem Exposé auch zu zeigen, indem man die Prämisse voranstellt.

    Braucht eine Geschichte demnach zwingend einen Satz, der die Prämisse prägnant beschreibt und an dem sich der Schriftsteller orientieren kann? Schaden kann es sicher nicht.

    Wie du sagst: Schaden kann es nicht. Aber ich denke, der Sinn ist dennoch ein tieferer. Hat man die Prämisse ständig im Kopf, ist das wie eine Art Halsband samt Leine, die einen stets daran erinnert, was man eigentlich vorhatte (Hase jagen, Trüffelschnüffeln) und (hoffentlich) immer noch vorhat. Sie erleichtert es einem, sich nicht zu verfransen. Denn eine Prämisse ist die absolut straffste Weise, die Triebfeder eines Romans abzubilden. Allein deshalb, da Autoren gerne zum Ausufern neigen, eine gute Übung, etwas auf den Punkt zu bringen.

    Ein guter Autor ist wie ein Fünf-Sterne-Koch. Erst die gekonnte Mischung der Zutaten, gespickt mit der richtigen Menge an Gewürzen, macht aus einem Gericht ein schmackhaftes Gaumenerlebnis.

    Natürlich. Aber das ist ja bereits das Kochen an sich. Die Prämisse steht zu einem Roman so wie der Name des Gerichts zum Beschaffungs- und Kochprozess, etwa à la ›Rehfilet in Vanilleblume an Blaubeersauce mit Pfifferlingsknödel‹ zu dem, was einem dann das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

    Liebe Grüße
    Martin

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