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Martin

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Ich möchte schon plotten, aber es nimmt mir die Kreativität

Es ist ein weit verbreitetes Problem, glaube ich: Man möchte plotten, allein schon deshalb weil es allenthalben heißt, das wäre gut für Geschichten. Aber nach dem Erstellen des Plotgerüsts ist oft die Luft draußen und das Projekt lässt sich nicht richtig beleben. Beim Schreiben aus dem Bauch heraus hingegen fließt es.

Überlegen wir doch mal gemeinsam, woran das liegen könnte?

Und weiters, wie wir es schaffen, den kreativen Strom trotzdem aufrecht zu erhalten, bzw. in ein Plotgerüst zu gießen.

Hallöchen,

das Problem habe ich ja auch: Der Plot ist fertig, der Anfang von ca 25 000 Worten ist geschrieben und dann stockt es bis zum Erliegen. Zumindest war es in der Vergangenheit oft so und vor allem bei großen Marathonprojekten, wie Romane es nun mal sind.

Ich habe darüber nachgedacht, warum das so ist und wie ich es schaffen könnte, den kreativen Strom trotzdem aufrecht zu erhalten.

Ganz wichtig ist bei mir, dass ich Patchwork entdeckt habe, denn wenn ich verwirrt bin, weil ich mal wieder nicht weiß, wo ich welche Notiz hingeschrieben habe oder wo ich angefangen und dann vom Weg abgekommen bin und dann nach Wochen nicht mehr weiß, wo ich weitermachen wollte, dann stehe ich der Verzettelung mit gerauften Haaren gegenüber. Mit Patchwork wird mir das nicht mehr passieren, denn alles kommt da rein. Wohlgeordnet!

Ich weiß genau, wenn ich immer schon in Patchwork geplottet hätte, dann könnte ich auch meine ganz alten Projekte, irgendwo in der Rohfassung auf Seite 124 oder so stehen geblieben, auch jetzt noch einfach weiterschreiben. Weil ich wüsste wo ich den "Stift" anzusetzen hätte.

Ich habe also jetzt schon mal die ganz große Hoffnung, dass Patchwork eine meiner Krücken sein wird, die mich irgendwann doch noch bis zum Wörtchen ENDE tragen wird.

Die andere Krücke kann man im "Erkenne dich selbst" entdecken, glaube ich.

Alarnas Worte, diese hier,( weil, das hätten meine Worte sein können),

aber ich hörte immer auf, wenn ich wusste, wie sie ausgehen würde.

haben mich an das Bild von den Honigbienen aus Barbara Shers Buch "Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast" erinnert.

Ich lasse meine Handarbeiten und Basteleien nämlich auch fast immer an der Stelle liegen, wenn ich z.B. die Teile eines selbstgestrickten Pullis aneinandergelegt auf den Tisch platzieren und sehen kann, wie der Pulli aussehen würde, wenn er fertig wäre. Und damit ist für mich der Spaß auf seinem Höhepunkt. Das Zusammennähen der Teile ist dann bloß noch schlimme Mühe, weil es nichts mehr zu entdecken gibt. Und deshalb bleibt es dann liegen. Oder eine Patchworkdecke habe ich soweit genäht, dass das Patchworkmuster mit der Umrandung sichtbar ist. Aber weil es kein Baby gibt, für das ich die Decke mit Füllstoff und Rückseite und Quilting zuende machen könnte, liegt sie unfertig in der Tüte. Null Motivation. Oder mit der neuen bunten Wolle: der eine Socken ist fertig, der zweit wird genauso aussehen. Puh. Muss ich den jetzt echt noch stricken? Ähm, keine Lust.

Dieses "sehen können, wie es aussieht, wenn es fertig ist", das ist mein Nektar. Hab ich den, flieg ich zur nächsten Blüte um neuen Nektar zu sammeln, von dem ich noch nicht weiß, wie er aussieht oder schmeckt.

Barbara Sher sagt sinngemäß: Finde heraus, was deine Belohnung ist, bei dem, was du tust. Und dann weißt du, warum das Ding in den Augen der anderen nicht fertig ist. Weil es nämlich für dich in dem Moment fertig ist, in dem du deine Belohnung im Beutel hast.

Heute Morgen hatte ich die Erkenntnis, dass es zweierlei Belohnungen geben muss,

  • Belohnungen, die einen "Scanner" (wie Barbara Sher uns Vielbegabte oder Ideenhelden nennt), dazu bringen das Projekt fallen zu lassen und
  • Belohnungen, die einen Scanner dazu bringen weiterzumachen, jene nämlich, die nur existent sind oder bleiben, während man am Projekt arbeitet.

Vielleicht plotte ich deshalb so gerne?

Meine Belohnungen beim Plotten sind, wie mir heute morgen klar wurde:

  • Beziehungen aufbauen (eine Beziehung zu Figuren, Tieren und Pflanzen haben zu können, bringt mich dazu, mich zu kümmern und zu pflegen. Aus meiner Liebe zu dem Tier, der Pflanze zu meinen von mir selbst geschöpften Figuren heraus, nehme ich Kontakt auf und lausche, will wissen, will geben, will Beziehung haben, halten und leben)
  • Neugier befriedigen (beim Plotten komme ich hinter die Geheimnisse meiner Figuren, wenn ich die kenne, bin ich zufrieden und höre auf zu forschen und darüber nachzudenken)
  • Geheimnisse ausplaudern (in dem ich in Notizen im Plot niederschreibe, was ich soeben aus meinem Unterbewusstsein als aufgedecktes Geheimnis entdeckt habe und nun weiß, wie die Zusammenhänge zwischen den Ereignissen sind, bin ich erfüllt und zufrieden. Schlimm ist, wenn ich jemandem das Herausgefundene nur erzählt habe. Dann ist es zum großen Teil verloren, weil nicht notiert.)

Und dann kommt das Schreiben der Rohfassung. Puh. Alle Geheimnisse sind aufgedeckt und bereits ausgeplaudert im Plot. Neue Figuren mit anderen Geschichten im Gepäck locken mich, mit ihnen eine Beziehung einzugehen, sie kennen zu lernen, ihre Geheimnisse zu ergründen. Aber nun soll ich die Geschichte selbst noch schreiben. Oh weh. Doch noch auf der Apfelblüte bleiben, bis nicht nur ein Apfel gewachsen ist, sondern bis er auch noch geerntet und auf den Markt gebracht wurde. Soo lange bleiben? Aber ich bin doch eine Honigbiene? Ich verpasse doch all die anderen Blüten und auch ihren Nektar?

Vielleicht liegt für mich die Lösung darin,

dass ich das Schreiben der Rohfassung, durch die Arbeit mit Patchwork zunächst mal in Häppchen vorliegen habe (viele einzelne Blüten, hmmh wie die duften und in allen Farben leuchten), dann fühlt sich Rohfassung schreiben nicht ganz so schlimm nach schwer schuften an und dann vielleicht auch darin, dass ich meine Belohnung auch im Schreiben der Geschichte selbst entdecken kann.

Vermutlich werden es andere Belohnungen sein, die mir das Rohfassung schreiben geben kann. Vielleicht sowas wie

  • Ein Gefühl von Stolz, dass ich es geschafft habe, auch ohne, dass ich meine o.g. Belohnungen bekommen habe.
  • Ein Gefühl von Verliebtheit zu der gerade entstanden Szene und zu meinen Figuren, deren Tun ich eben live miterleben durfte, und das bestimmt überraschend anders war, als ich es vorher gedacht hatte.
  • Ein Gefühl von Lust haben, den Rohdiamanten zu schleifen bis er als Brillant in tausend Facetten schillert.

Wie ist es bei Euch Bauchschreibern? Genau anders herum? Bekommt ihr die wirklich süßen Belohnungen beim Schreiben der Geschichte selbst und erscheint es euch mühsam, das vorher noch plotten zu müssen?

Worin könntet ihr die Belohnung finden, wenn ihr doch plottet? Und wie kann man diese Belohnungen noch süßer, also reizvoller, motivationsfördernder machen?

Ich habe für mich festgestellt, dass die Belohnung für ein wirklich fertig gestelltes Projekt vergleichsweise klein ist. Das gute Gefühl, des Stolz seins auf das Geschaffte, hält nur einen Moment an, verfliegt dann und kann nicht mehr so richtig wiederbelebt werden. Deswegen vermag das "fertig werden" nicht, mich zu motivieren.

Zitat von martin am 31. Mai 2020, 20:26 Uhr

Und weiters, wie wir es schaffen, den kreativen Strom trotzdem aufrecht zu erhalten, bzw. in ein Plotgerüst zu gießen.

Das ist schon der falsche Ansatz. Denn das bedeutet, man sollte immer plotten, ohne zu plotten kann man kein Buch schreiben, und das ist falsch. Ich plotte nie, und ich habe schon Dutzende von Büchern geschrieben und erfolgreich verkauft. Der Plot ist dann fertig, wenn das Buch fertiggeschrieben ist. Dann könnte man ihn auch aufschreiben, aber vorher nicht.

Zudem schreibe ich nie Rohfassungen, ich schreibe immer druckreif. Bei mir gibt es keine Überarbeitungen, die über das, was ich während des Schreibens am Text vom Vortag korrigiere, hinausgehen. Ja, auch bei mir kommt es mal vor, dass die Lektorin noch einen Fehler findet, dass irgendetwas noch im Nachhinein ergänzt werden muss oder manchmal auch gestrichen, aber das ist sehr selten. Normalerweise werden die Bücher so gedruckt, wie ich sie schreibe, wie ich sie an dem Tag, an dem ich ENDE daruntergeschrieben habe, abgeliefert habe. Sie werden nur noch gesetzt und in die richtige Form für den Druck gebracht. Und vorher durchgelesen, falls sich doch noch ein Rechtschreibfehler oder eine sehr unverständliche Formulierung eingeschlichen hat.

Es gibt einfach zwei verschiedene Sorten von Schreiberlingen ;), die einen plotten, die anderen nicht. Das ist wohl in unseren Genen oder in unserer Gehirnstruktur oder wo auch immer vorgegeben. Die einen können nicht ohne Plot, die anderen nicht mit.

Lange Jahre war es für mich fast unmöglich, ein Buch zu schreiben, dessen Ende ich schon kannte. Denn das nimmt mir ja die Überraschung beim Schreiben, das Vergnügen, meine Geschichte während des Schreibens zu entdecken. Ein fertig geschriebener Plot ist ein fertig geschriebenes Buch. Wenn man einen Plot hat, ist nichts Interessantes mehr an der Geschichte, es ist ja schon alles gesagt. Es ist nur interessant, eine Geschichte zu schreiben, solange man noch nicht weiß, wie sie weitergeht, wie sie endet.

Mittlerweile habe ich die Vorteile eines sagen wir mal „Schmalspurplots“ entdeckt. Das liegt aber auch daran, dass ich im Moment Bücher fast wie am Fließband schreibe und die Zeit verkürzen will, bis ein Buch fertig ist, damit ich mehr Bücher schreiben kann. Da ich vom Bücherschreiben lebe, verdiene ich natürlich mehr, je mehr ich schreibe. Da man als Schriftstellerin keine Rente hat, muss man ja auch an die denken, und deshalb schreibe ich im Moment ziemlich viel, um genügend zurücklegen zu können.

Je mehr man schreibt, desto öfter wiederholen sich die Geschichten, die Plots natürlich auch. Im Liebesromanbereich, meine ich jetzt. Sonst hat man ja mehr Alternativ-Möglichkeiten. Aber ich schreibe nun mal Liebesromane, und da gibt es einfach viele Ähnlichkeiten, auch wenn jede Liebesgeschichte wieder neu und anders ist. Das führt tatsächlich dazu, dass man sich im Laufe der Jahre manchmal mit seinen eigenen Büchern langweilt, während man sie schreibt, weil man das ja alles schon mal geschrieben hat. Nicht genauso, nicht mit denselben Figuren und Konstellationen und Orten, aber ähnlich. Interessanterweise lese ich meine alten Bücher jedoch sehr gern noch einmal nach 10, 15 oder 20 Jahren, da langweile ich mich überhaupt nicht. Das ist fast, als hätte sie jemand anderer geschrieben. ;)

Belohnungen. Ja, das ist ein interessantes Thema. Was belohnt mich am Schreiben? Außer natürlich, dass ich damit Geld verdiene? Was, wie wir wohl alle wissen, keine große Belohnung ist, sondern mehr eine Notwendigkeit. Es sei denn, man ist ein extrem materiell eingestellter Mensch.

Ich schreibe, seit ich ein Kind war, praktisch von dem Tag an, an dem ich schreiben gelernt habe. Es ist wie eine Art Grundbedürfnis für mich, wie Essen und Trinken und Schlafen. Ich könnte nicht darauf verzichten. Ein Tag, an dem ich nicht geschrieben habe, ist ein verlorener Tag. Das ist es wahrscheinlich. Schreiben ist ein Teil von mir, ohne den ich nicht leben kann. Ganz egal, ob ich dafür bezahlt werde oder nicht.

Die Belohnung liegt deshalb wohl im Schreiben selbst. Schreiben an sich ist eine Belohnung für mich. Nicht schreiben zu können ist eine Strafe, eine furchtbare Qual.

Aber mal ganz klar gesagt: Eine Nicht-Plotterin findet keine Belohnung darin zu plotten. Da führt kein Weg hin. ;) So können nur Plotter denken. Man kann das Plotten eventuell als notwendiges Übel bis zu einem gewissen Grade in seine schriftstellerische Arbeit einbauen, wie ich das jetzt versuche zu tun, um mehr Bücher schreiben zu können. Eine Belohnung ist das für mich aber nicht, es ist mehr wie ein Hammer, mit dem man einen Nagel einschlägt. Es ist weder eine Belohnung für mich, den Hammer zu benutzen noch den Nagel eingeschlagen zu haben. Es ist eben einfach notwendig, weil ich Nägel nicht mit der bloßen Hand in die Wand hauen kann. ;)

Wer gern plottet, wird weiterhin plotten und das als angenehm empfinden, wer nicht plottet und das auch gar nicht will, kann auch mit keiner noch so großen Belohnung dazu gebracht werden, Plotten als angenehm zu empfinden. Wenn man den Druck hat, Bücher schreiben zu müssen, dann ringt man sich vielleicht dazu durch, sich der Folter des Plotschreibens – in eingeschränktem Maße – auszusetzen, aber das ist auch so ungefähr das Beste, was man erreichen kann. Und wenn man den Druck nicht mehr hat, wird man das Plotten auch sofort wieder lassen und erleichtert aufatmen, dass man das nicht mehr tun muss.

Vielleicht noch als Ergänzung: Dass Plotten die Kreativität einschränkt, das glaube ich nicht. Denn man ist ja kreativ in dem Moment, in dem man den Plot schreibt. Mehr tut man auch nicht, wenn man dann das Buch ohne Plot schreibt. Nur dass man die Szenen sofort ausschreibt. Aber die Arbeit, die Geschichte zu entwickeln, sich die eine Szene aus der anderen ergeben zu lassen, eine logische Abfolge zu erzeugen usw., die ist mit und ohne Plot dieselbe. Und das ist der wirklich kreative Teil. Das Schreiben an sich ist nicht kreativ. Sonst wäre ja auch das Schreiben von Einkaufslisten kreativ oder wenn eine Sekretärin einen Brief tippt, den ihr ihre Chefin diktiert hat.

@marilona ich glaube wir sind uns wirklich ähnlich :) Ich hätte da auch noch einige angefangene Pullover herumliegen. *seufz*

Aber Plotten ist für mich eine Bremse. Wenn es um Romane geht. Zugegeben, mein Machwerk ist schon fortgeschritten und ich tue mich sehr schwer damit, da jetzt noch Pitches zu den Szenen zu machen und das Ganze zu plotten, weil ja ein Teil schon fertig geschrieben ist.

Ich hatte den Plot im Kopf. Dann los geschrieben. Dann eine fantastische, neue Idee gehabt und der Plot war im Grunde Geschichte. Das ging ein paarmal so. Bei meinem Satire-Werk verarbeite ich tatsächliche Geschehnisse aus der Politik und dem Weltgeschehen, da weiß ich ja nicht, was noch so alles passiert. Wobei die Corona Krise da sowas von passend kommt, als hätte das jemand geplottet :)

Also wie plottet man und wie schaffe ich es einen Sinn darin zu sehen, wenn ich eh alles wieder anders schreibe? Der Plot für die Mülltonne ist?

Bei meinen Sachbüchern finde ich das sehr hilfreich. Ein Gerüst aufsetzen und dann die Fakten rein. Super. Aber dafür ist plotten ja nicht gedacht, oder? Also für Sachbücher. Zumal ich die eigentlich furchtbar langweilig finde. Wie gesagt, ich weiß ja schon alles.

Für mich war das "fertig werden" meines ersten veröffentlichen Buches ein Meilenstein. Ich hatte ein Buch nicht nur fertig geschrieben, sondern sogar veröffentlicht. Dass davon nur 9 Exemplare verkauft wurden, spielt da keine Rolle. Aber mein Fantasy Buch - das soll nicht nur fertig werden, das soll ein Hammer werden! Das ist Herzblut, Seele, Lebenswerk. Genau das bremst mich aber auch wieder aus. Was, wenn es keinem gefällt?

Wenn ich das plotte, dann habe ich das Gefühl, dass ich ihm die Seele entreiße, die Wunder, die Mystik, das Magische, das immer passiert, wenn ich im Fluss bin und den ursprünglichen Plot über den Haufen werfe.

 

Hallo @alarna

In der Geschichtenwerkstatt habe ich meinen Plot zu Tess rein gestellt. Auch wie es überhaupt zu der Idee kam.

Ich hatte zum Schluss neun/zehn Punkte, die meine Kapitel wurden und jeweils ungefähr drei Szenen beinhaltete.

Ein richtiger, tiefer Plot ist das nicht gewesen. Aber es war mein roter Faden, an dem ich mich lang gehangelt habe. Beim schreiben selbst bin ich dann auch abgewichen. Plötzlich hat sich eine Figur eingeschmuggelt, die von unwichtig zu sehr wichtig wurde und mich nun in der Überarbeitung zwingt, näher auf sie ein zu gehen. Auch das ende ist mittlerweile völlig anders, als ursprünglich geplant. Hat sich halt so beim schreiben ergeben.

Ich glaube mittlerweile, dass wir "Drauflosschreiber" keinen komplett ausgearbeiteten Plot brauchen. Uns reicht der ein grober Überblick, damit wir das wesentliche nicht aus den Augen verlieren. Ein roter Faden, an dem wir uns ausrichten. Doch selbst der ist nicht in Stein gemeißelt. Wir können ihn jederzeit unserem Schreibfluss anpassen.

Also wie plottet man und wie schaffe ich es einen Sinn darin zu sehen, wenn ich eh alles wieder anders schreibe? Der Plot für die Mülltonne ist?

Ich glaube, du musst dir deine Richtung erst einmal vorgeben. Bedeutet, was soll deine Geschichte erzählen, wovon soll sie handeln. Ganz grob, nichts konkretes. Dann, wer drin vorkommt und eventuelle Wechselwirkungen der Figuren. Ich denke, das würde für den Anfang reichen. Und ich denke, ein Plot ist dazu da, angepasst zu werden. Denn was ist ein Plot am Ende? Eine Ansammlung von Ideen. Wenn man aber nun eine viel bessere Idee während des Schreibens findet, kann man das doch nicht nur deswegen ignorieren, weil der erste Plot das nicht vorher gesehen hat. Nein, dann muss man den Plot anpassen. Doch man hat durch den alten Plot auch einen großen Vorteil beim anpassen. Denn man weiß was vorher passiert ist, weiß wo man vielleicht im Werk davor etwas ändern müsste, damit alles am Ende eine runde Geschichte ergibt.

Dein Plot sollte also noch genug Freiraum für dich bereit halten, damit du dich entfalten kannst.

Es gibt Menschen, die plotten bis in die Fingerspitzen, den macht es Spaß, alles bis ins kleinste Detail auszuarbeiten. Dann ist das plotten der eigentliche Schreibprozess. Denn das Scheiben der Geschichte scheint mir nur noch ein aneinanderreihen von sinnvollen Wörtern.

Bei meiner Tess war es das Besondere, die einzelnen Szenen mit Leben zu füllen. Grob war alles da, aber das so zu schreiben, dass es spannend, dass es anschaulich und rund wird, das hat Spaß gemacht.

Zugegeben, mein Machwerk ist schon fortgeschritten und ich tue mich sehr schwer damit, da jetzt noch Pitches zu den Szenen zu machen und das Ganze zu plotten, weil ja ein Teil schon fertig geschrieben ist.

Schreib erst einmal einfach das was du hast, als Stichpunkte auf. Dann ganz grob, was du mit der Geschichte erreichen willst. Und als nächstes, wie viele Kapitel du in etwa benötigst. Sozusagen langsam herantasten.

 

Ilona schrieb: Worin könntet ihr die Belohnung finden, wenn ihr doch plottet? Und wie kann man diese Belohnungen noch süßer, also reizvoller, motivationsfördernder machen?

Mir ist es bisher ähnlich gegangen wie dir. Wenn der Plot gestanden ist, hatte ich regelrecht Probleme, die kurzen Pitchtexte zu wirklicher Handlung ›aufzublasen‹.

Ich glaube, du hast den Ansatz zur Lösung eh gerade beschrieben: einfach jede Szene zu einer eigenen Blüte machen. Wichtig dabei finde ich, dass man sich beim Plotten bewusst ist, dass die meinetwegen 13 Plotschritte der Heldenreise nicht auch 13 Kapitel sind. Sondern dass manche Schritte zwar eines sind, andere aber vielleicht zehn. Steht schön bei den Beat Sheets dabei.

Den großen Vorteil beim Plotten sehe ich darin, dass man nur so ein Netz weben kann, indem man von Punkt zu Punkt geht. Vom Anfang zum Ende, zum Aufbruch, zur tiefsten Tiefe, zur alten Welt, zum Mittelpunkt ... das fühlt sich für mich wie das Suchen der Blüten samt einer Routenplanung an. Schafft Vorfreude, später in jede einzelne Bölüte einzutauchen.  Jede in einer anderen Weise kuschelig herzurichten, immer mal wieder einen Schritt zurückzutreten, um sich dann wieder in eine andere Blüte zu versenken.

Eine Geschichte einfach runterschreiben mag schon auch gehen. Aber die wirklich raffinierten Enthüllungen gelingen so nicht, glaube ich. ich höre ziemlich viele Bücher (so kann ich auch lesen, wenn ich eigentlich nicht lesen kann), wobei ich darauf ganz speziell sehr achte. Von den wirklich guten Geschichten kann keine einfach so weggeschrieben sein, das geht nicht. Ich kontaktiere dann auch hie und da die Autorinnen und die bestätigen es. Da war der Autorin schon am Anfang klar, dass es einen Zwilling gibt, der irgendwo in der Mitte auftauchen und alles über den Haufen werfen wird. Und das übrigens vor allem bei Standards wie bei Liebesromanen. Denn die anderen sind ja allein schon ihrer Andersartigkeit wegen interessant.

Der Plot an sich ist die Wow-Blumenwiese und die Routenplanung. Genuss Nummer eins. Aber dann kommt der wirkliche, wo jede Szenenblüte ausgesaugt wird ... vielleicht ist ja Honigsaugen gar keine so nützliche Metapher? Denn was bleibt übrig, wenn das Süße, reizvolle weg ist?

Liebe Grüße
Martin

Aber dann kommt der wirkliche, wo jede Szenenblüte ausgesaugt wird ... vielleicht ist ja Honigsaugen gar keine so nützliche Metapher? Denn was bleibt übrig, wenn das Süße, reizvolle weg ist?

Vielleicht ist es die Honigwabe, die den ganzen Nektar aufgenommen hat und zu einem wirklich interessanten Buch wurde?

Zitat von martin am 3. Juni 2020, 0:28 Uhr

Von den wirklich guten Geschichten kann keine einfach so weggeschrieben sein, das geht nicht. Ich kontaktiere dann auch hie und da die Autorinnen und die bestätigen es. Da war der Autorin schon am Anfang klar, dass es einen Zwilling gibt, der irgendwo in der Mitte auftauchen und alles über den Haufen werfen wird.

Liebe Grüße
Martin

Hm, du unterstellst also damit, dass eine Geschichte nicht gut werden kann, wenn sie nicht vorher geplottet wurde? Zieh mich nur runter :(

Dem setze ich entgegen, dass das "plotten" ein Schiller, Shakespeare und Homer nicht kannten. Jedenfalls nicht in der Form, wie wir das heute tun.

Ich vergleiche die, die nicht plotten, mit den frühen Geschichtenerzähler, die das ohne Schriftstücke konnten. Solchen Menschen, wie es mein Opa war. Die während des Erzählens eine Geschichte spinnen. Die auf Zuruf aus dem Publikum einfach Situationen in die aktuelle Handlung einweben können zu einem Ganzen. Ich bin überzeugt, dass es solche Menschen auch heute noch gibt. Wobei eine erzählte Geschichte nie gleich sein wird, manch Zuhörer den Anfang bereits vergessen hat, weil er so an den Lippen des Erzählers hängt und Plotlöcher gern ignoriert, weil es spannend ist, was der da vorn erzählt.

Ein auf Papier gebrachtes Werk hat diesen Luxus nicht und wenn du ohne Plot arbeitest, kann es passieren, das man hinterher viel "ausbessern" muss, sprich die Überarbeitung mehr wird, als wenn man einen guten Plot vorher angelegt hat.

 

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