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Martin

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Ich möchte schon plotten, aber es nimmt mir die Kreativität

Aber immer gerne, Alarna :-)))

Die Frage ist doch immer, was ›gut‹ ist, oder? Schöne Wortwahl, schlüssige Ereignisse, spannend, überraschend aber glaubhaft ... das ist wohl alles Geschmackssache. Für mich ist die Geschichte dann gut, wenn sie wie echt aus dem Leben wirkt. Damit meine ich zwei Aspekte. Der eine ist die äußere Welt, die man sieht. Der andere sind die Dinge hinter den Dingen, die zwar genauso ›real‹ sind, aber eben nicht sichtbar.

Im echten Leben haben wir zu dieser ›Parallelwelt‹ einen Zugang, den man ›Gefühl‹ oder ›Innere Stimme‹ oder wie auch immer nennt. Also fühlen wir uns im echten Leben bei etwas unwohl und, prompt, trifft es dann auch ein. Wir sind es also gewöhnt - auch wenn meist nicht bewusst - in ein Ganzes eingebunden zu sein. Dieses Gefühl hat einen höheren Stellenwert als man vielleicht annehmen mag, damit sich etwas echt anfühlt. Mit anderen Worten: Offenbar ist etwas irgendwo bereits geschehen, das bei uns noch nicht sichtbar geworden ist.

Um dieses Gefühl auch im Roman haben zu können, müssen wir sozusagen die Rolle der Parallelwelt zu unserer Autorenrolle mit übernehmen. Bei Schreibratgebern liest man dazu, dass nichts ›einfach so‹, also völlig unerwartet geschen dürfe, sondern wenigstens subtil angekündigt sein solle (Maeraschwenk auf dein Detail, kleine Bemerkung usw.), jedenfalls auf keinen Fall einen Deus ex Machina handeln lassen (etwas fällt aus dem Himmel). Damit ist nichts anderes gemeint, als diese lebensechten Wahrnehmungen in Worten bemerkbar zu machen. Dafür aber müssen wir notgedrungen auch wissen, was passieren wird. Wir eilen praktisch gleichermaßen der Geschichte voraus, als wir sie chronologisch niederschreiben. Als diesen Vorgang verstehe ich das Plotten. Freilich geht es auch ohne. Es ginge sogar immer ohne, wenn ... wir nicht die Fähigkeit verloren hätten, in mindestens zwei Welten parallel bewusst zu existieren. Dann könnten wir nämlich so schreiben, als wäre es echtes Leben. Das können aber m.E. nur wenige Menschen, weshalb Plotten ein gutes Instrument ist, noch nicht geschehene Zukunft und Gegenwart literarisch deckungsgleich zu bekommen.

Ich glaube einfach, dass Plotten gern als etwas Böses, Kreativitätskillendes gesehen wird, Malen nach Zahlen sozusagen. Das ist es aber nicht und ich werde mich gerne bemühen, ihm diesen Ruf zu nehmen und stattdessen das Kreative und Bunte davon auszupellen.

Bist du etwas versöhnt ...?

Liebe Grüße
Martin

*grummel* Ich sag mal so, in meiner Fantasy fällt etwas aus dem Himmel - das ist die Story :) Es öffnet sich ein Portal zwischen Zeit und Raum und etwas kommt hindurch. Das ist auch das Problem, das meine Helden lösen müssen. Aber das nur am Rande.

Plotten bedeutet für mich, mich an etwas zu binden, eine Handlung, einen Rahmen zu machen, wie bei einem Strickmuster. Ich nehme 60 Maschen auf, stricke 80 Reihen und nehme dann auf beiden Seiten 10 Maschen ab für die Ärmel.

Jetzt passiert es mir aber, dass ich mir denke: "Oh warte, ich habe genug Wolle, ich mache mir Fledermausärmel!" Ist mit meinem Strickmuster unmöglich. Also muss ich alles aufribbeln und von vorne anfangen (okay, das Bündchen kann bleiben).

Ich habe dann das Gefühl, mich zu etwas verpflichtet zu haben. das ist natürlich Blödsinn, denn ich kann theoretisch aus meiner Fantasy einen Soft-Porno machen wenn mir danach ist, aber dabei hätte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich das ja anders geplant hatte und wieder nicht fertig mache und so weiter. Ich bin wohl auch so ein Scanner *seufz*

Ja, zeig mir das Bunte und Kreative am Plotten und ich bin dabei :)

Hallo Alarna.

Plotten bedeutet für mich, mich an etwas zu binden, eine Handlung, einen Rahmen zu machen,

Meiner Meinung nach kommt es darauf an, wie umfangreich man plottet. Ich kann mir vorstellen, dass auch du einen roten Faden hast, an dem du dich orientierst, ein Grundgerüst, einen Weg. Dabei musst du noch nicht einmal das Ende kennen, denke ich.

Aber ich bin dir da auch nicht die große Hilfe, denn ich kann selbst nicht richtig plotten.

Denn ich sitze davor und mir fällt nichts ein. Deswegen schreibe ich kleine Geschichten rund um meine Personen und lerne sie dadurch immer besser kennen. Ich bekomm dann eher eine Grundform meiner Geschichte. Viele kleine Szenen, die sich dann irgendwie zu etwas großen Verbinden können. Aber mich hinsetzen und mir gezielt überlegen, warum jetzt A was mit B macht, oder machen soll, das hab ich auch noch nicht hin bekommen.

Ja, zeig mir das Bunte und Kreative am Plotten und ich bin dabei :)

Das versuche ich hier auch zu finden. :O)

Alarna schrieb: Ja, zeig mir das Bunte und Kreative am Plotten und ich bin dabei :)

Ganz kann ich es noch nicht fassen, das Problem, das Plotten zu einem Gefängniswärter macht.

Ist eine Geschichte zu schreiben nicht ein ähnlicher Entschluss, wie ein bestimmteas Land zu bereisen? Man kann planlos von Ort zu Ort wandern und das hat auch durchaus was, hab es selbst oft genug gemacht. Doch erst als ich dieses Einwurzelerlebnis einmal (und gleich darauf wieder) in Bangkok hatte, wurde mir klar, dass man (ich zumindest) an die Essenz nur herankomme, wenn ich mir einen Ort ersessen habe. Ich saß einfach drei Stunden auf einer Bank vor einem Hotel und später eine ganze Stunde auf den Stufen eines Floating Market und habe geschaut; und auch mit Leuten geredet, die ob meiner Sesshaftigkeit teilweise verwirrt waren. Da spürte ich richtiggehend, wie irgendetwas aus mir Wurzeln in den Boden schlug, der mich daraufhin willkommen hieß.

Umgelegt ein Plot: Inspiration, die Geschichte fällt durch einen Spalt im Himmel in meinen Schoß. Mit dem Plot sehe ich sie mir genau an, mache mich mit ihr vertraut. Eigentlich nicht nur Plot, sondern dem Storybuilding-Prozess. Und dann geht es an das Einrichten der einzelnen Szenenzimmer. Ich freue mich schon darauf, nur lässt mich Patchwork3 derzeit noch nicht schreiben.

Liebe Grüße
Martin

Klar gibt es solche Menschen auch heute noch. Ich bin so eine. ;) Du kannst mir irgendetwas zurufen, und ich mache eine Geschichte draus. Das konnte ich schon als Kind. Ich halte das eigentlich für normal. Denn als Kind plottet man ja auch nicht, man lässt einfach seine Phantasie spielen, das Magische, das Imaginäre. Wenn ich einmal angefangen hatte, so eine Geschichte zu spinnen, konnte ich gar nicht mehr aufhören.

Schade, dass das zum Teil noch weit vor der Zeit war, als ich schreiben konnte. Heute würde es mich mal interessieren, was das für Geschichten waren. An eine Sache erinnere ich mich noch. Da war ein Elefant auf dem Dach, und dann kam noch ein Bär dazu. Viel mehr weiß ich aber nicht mehr. Ich weiß nur noch, wie ein anderes Kind mich irgendwann staunend fragte, als ich immer weitererzählte: „Hast du dir das alles jetzt gerade ausgedacht?“

Und ich stand da und war ganz erstaunt über diese Frage, weil ich das ganz normal fand, was ich da gerade getan hatte. Ich habe mich eher gefragt: „Tust du das nicht?“

Wenn man erst eine Geschichte erzählen kann, wenn man sie vorher geplottet hat, erzählt man dann spontan gar keine Geschichten? Wie ist das bei Euch Plottern? Spinnt Eure Phantasie auch manchmal so rum wie meine, oder müsst Ihr erst ein Stück Papier haben oder einen Computer oder so, um das aufzuschreiben, bevor die Geschichte quasi in Eurem Kopf entsteht? Das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, deshalb frage ich das aus Neugier. Aus mir sprudeln die Geschichten immer so heraus, das empfinde ich als normal.

Das ist jetzt wieder typisch ich. ;) Ich habe gar nicht gesehen, dass es noch eine zweite Seite in diesem Thread gibt und auf das hier geantwortet:

Ich bin überzeugt, dass es solche Menschen auch heute noch gibt. Wobei eine erzählte Geschichte nie gleich sein wird, manch Zuhörer den Anfang bereits vergessen hat, weil er so an den Lippen des Erzählers hängt und Plotlöcher gern ignoriert, weil es spannend ist, was der da vorn erzählt.

Ein auf Papier gebrachtes Werk hat diesen Luxus nicht und wenn du ohne Plot arbeitest, kann es passieren, das man hinterher viel "ausbessern" muss, sprich die Überarbeitung mehr wird, als wenn man einen guten Plot vorher angelegt hat.

Das ist so ein typischer Irrtum von Plottern. ;) Warum sollte man hinterher viel ausbessern müssen, wenn man die Geschichte logisch aufeinander aufbauend aufgeschrieben hat? Anscheinend denken Plotter, das kann man nur in einem Plot, aber das kann man als Bauchschreiber natürlich genauso während des Schreibens. Man schreibt nur die ganzen Szenen gleich hin, nicht nur Stichworte wie bei einem Plot. Aber trotzdem ist die Geschichte zum Schluss genauso.

Wie ich schon mal sagte: Ich bin Bauchschreiberin, aber überarbeiten oder ausbessern tue ich am Schluss nichts mehr, höchstens vielleicht noch Schreibfehler. Wenn ich ENDE unter das Manuskript schreibe, kann es so gedruckt werden. Und zwar ohne dass ich einen Plot hatte.

Ein Plot bedeutet nicht weniger Arbeit beim Überarbeiten, das ist ein großer Irrtum von Leuten, die plotten. Oder vielleicht eine Rechtfertigung dafür, dass sie plotten. ;) Weil man dann sagen kann, Plotten ist besser, macht zum Schluss weniger Arbeit. Aber so ist es nicht. Für mich macht das Bauchschreiben weniger Arbeit, weil das Buch in dem Moment fertig ist, in dem ich am Ende der Geschichte angekommen bin. Ich muss dann nicht noch mal von vorn anfangen wie die Plotter, die die Geschichte ja mindestens zweimal schreiben, einmal im Plot und einmal als richtige Geschichte.

Und vielleicht sogar dann noch mal überarbeiten? Das ist ja sogar die dreifache Arbeit von der, die ich mache. Sehr zeitaufwändig. Wenn ich eine Geschichte dann noch mal schreiben müsste, wenn ich sie schon im Plot geschrieben habe, würde sie mich auch furchtbar langweilen. Dann schreibe ich lieber eine neue.

Ja, Plotter und Bauchschreiber sind schon zwei völlig verschiedene Spezies. Das ist wie zwei verschiedene Nationen, die völlig verschiedene Vorstellungen vom Leben haben, völlig verschiedene Kulturen. Interessant.

Zitat von martin am 3. Juni 2020, 22:38 Uhr

Alarna schrieb: Ja, zeig mir das Bunte und Kreative am Plotten und ich bin dabei :)

Ganz kann ich es noch nicht fassen, das Problem, das Plotten zu einem Gefängniswärter macht.

Ich kann verstehen, dass Du das nicht verstehst. ;) Weil Du Plotten anscheinend als etwas Notwendiges empfindest. Mir geht es allerdings wie Alarna: Plotten ist wie eine Art Strickmuster, das man nur mit großem Aufwand ändern kann. Warum sollte man dann also nicht nach einem Weg suchen, es besser zu machen, weniger aufwändig und kreativer, mehr der eigenen Spontaneität folgend, der eigenen Phantasie?

Eine Geschichte schlägt doch in Dir Wurzeln, während Du sie schreibst. Oder nicht? Schlägt sie nur in Dir Wurzeln, wenn Du plottest? Was ist der Unterschied? Es geht um die Geschichte. Und die sollte zum Schluss dieselbe sein, egal ob geplottet oder aus dem Bauch heraus (aber logisch aufeinander folgend) geschrieben.

Eine Geschichte fällt doch nicht aus den Wolken. Eine Idee fällt aus den Wolken. Und dann denkt man darüber nach, wie man daraus eine Geschichte machen kann. Bei mir findet dieses Nachdenken dadurch statt, dass ich den Anfang der Geschichte schreibe. Denn der fällt meistens mit aus den Wolken. ;) Dann habe ich die erste Szene, das erste Kapitel, manchmal sogar mehrere Szenen oder mehrere Kapitel. Und dann bleibe ich stecken, weil ich erst einmal überlegen muss, wie es weitergeht. Aber aus dem, was ich bis dahin geschrieben habe, ergibt sich das nächste. Das schreibe ich dann. Dann überlege ich wieder, wie es weitergeht und schreibe das nächste Kapitel usw.

Das ist im Grunde genommen nicht so viel anders als bei einem Plot. Nur stehen dann die Szenen und Kapitel schon da, sobald ich mir überlegt habe, wie es weitergeht.

Anfänge sind immer einfach, aber die Geschichte dann zu Ende zu schreiben, auf die letzten Seiten zu kommen, wo ich dann erfahre, wie meine Geschichte ausgeht, das ist dann schon ein bisschen Arbeit. Nur ist die Arbeit dann glücklicherweise beendet, wenn ich den Schluss habe. Der immer das Schwierigste und Anstrengendste ist. Da kommen einem die Bauchschreibereien dann manchmal in die Quere, weil man ja alles zu  einem logischen Ende führen muss, alles aufklären muss, alle Missverständnisse usw. Die man vorher mit viel Begeisterung für die Spannung des Augenblicks erfunden hat, ohne dass man wusste, wie die Geschichte ausgeht und wo das hinführt.

Ja, das Bild mit dem Gefängniswärter ist gar nicht so falsch. Wenn ich einen Plot schreiben muss, komme ich mir wirklich so vor, als würde ich eingesperrt, als müsste ich unter Aufsicht arbeiten und durfte nur das tun, was mir erlaubt ist, was mir vorgegeben ist. Ich darf nicht vom Weg abweichen, nicht nach links und rechts gucken, muss immer genau den Regeln folgen.

Aber Regeln und Kreativität, das widerspricht sich für mich irgendwie. Wie kann ich kreativ sein, wenn ich nicht einfach meine Gedanken schweifen lassen kann? Wenn ich erst entscheiden muss, ist das ein Kapitel, eine große Szene, eine mittlere Szene, eine kleine Szene? Woher soll ich das im Voraus wissen, bevor ich die Szene geschrieben habe? Das ergibt sich doch erst beim Schreiben.

Zitat von martin am 3. Juni 2020, 0:28 Uhr

Ilona schrieb: Worin könntet ihr die Belohnung finden, wenn ihr doch plottet? Und wie kann man diese Belohnungen noch süßer, also reizvoller, motivationsfördernder machen?

Mir ist es bisher ähnlich gegangen wie dir. Wenn der Plot gestanden ist, hatte ich regelrecht Probleme, die kurzen Pitchtexte zu wirklicher Handlung ›aufzublasen‹.

Ich glaube, du hast den Ansatz zur Lösung eh gerade beschrieben: einfach jede Szene zu einer eigenen Blüte machen.

Aber warum dann erst plotten? Warum die Szene nicht gleich zu einer Blüte machen und sie sofort hinschreiben, wenn sie einem einfällt? Das verstehe ich nicht. Warum brauche ich erst einen Plot, damit ich die Szene erblühen lassen kann? Das ist doch ein unnötiger Zwischenschritt.

Im Grunde ist es doch kein Wunder, dass Du Probleme hast, die Szenen aufzublasen, wenn Du sie praktisch in Stichworten schon hingeschrieben hast. Wenn Du die ganze Geschichte schon in Stichworten hingeschrieben hast. Dann ist die Geschichte fertig und nicht mehr interessant. Warum solltest Du diese Geschichte, die Du schon kennst und die keinerlei Überraschungen mehr für Dich birgt, dann auch noch aufblasen? Das ist wirklich nicht logisch.

Zitat von martin am 3. Juni 2020, 0:28 Uhr
Den großen Vorteil beim Plotten sehe ich darin, dass man nur so ein Netz weben kann, indem man von Punkt zu Punkt geht.

Nur so kann man ein Netz weben? Wie kommst Du darauf? Dasselbe Netz webe ich, wenn ich eine Szene nach der anderen schreibe, statt sie nur in Stichworten zu skizzieren. Der Vorgang ist genau derselbe, nur dass die Szene dann fertig ist. Also das Netz nur mit einem Plot weben zu können, das ist eine Einschränkung, die ich nicht gelten lasse. Klingt für mich wieder zu viel nach "Gefängniswärter". ;)

Zitat von martin am 3. Juni 2020, 0:28 Uhr
Eine Geschichte einfach runterschreiben mag schon auch gehen. Aber die wirklich raffinierten Enthüllungen gelingen so nicht, glaube ich.

Entschuldige, Martin, aber das ist echter Quatsch. ;) Man kann das oder man kann es nicht. :) Du kannst es anscheinend nicht, deshalb meinst Du, es ginge nicht. Aber wenn man es kann, dann ist das genauso raffiniert und man baut die Enthüllungen genauso ein, wie Plotter das in einem Plot tun. Es ist nur eine andere Herangehensweise, aber geplottete Bücher sind nicht besser als nicht geplottete Bücher. Wenn sie beide von jemandem stammen, der weiß, was er tut. Nicht natürlich, wenn es irgendwelche Self Publisher sind, die sich überhaupt nicht mit dem Aufbau einer Geschichte beschäftigt haben. Da gebe ich Dir recht. Da gibt es viel Schrott. Aber das ist eine andere Baustelle. Es gibt auch geplottete Bücher, die Schrott sind.

Zitat von martin am 3. Juni 2020, 0:28 Uhr
Der Plot an sich ist die Wow-Blumenwiese und die Routenplanung.

Also das widerspricht sich ja nun total. :) Entweder Wow-Blumenwiese ODER Routenplanung. Eine Blumenwiese ist etwas Schönes, das gebe ich Dir recht, aber Routenplanung - Planung überhaupt -, das ist nichts Schönes, das ist etwas äußerst Lästiges und Anstrengendes, das man lieber vermeidet, wenn man es kann.

Zitat von martin am 3. Juni 2020, 0:28 Uhr
Denn was bleibt übrig, wenn das Süße, reizvolle weg ist?

Ein Plot. :D Das ist ja genau die Krux: Sobald der Plot fertig ist, ist alles Süße, Reizvolle weg. Die Süße der Entdeckung, die Süße der Phantasie, die Süße der Kreativität und des "Herumspinnens". Dann bleibt nur noch die Schufterei, die Fließbandarbeit, nichts Schönes mehr.

Ich glaube Dir gern, dass Du ein paar Leute gefragt hast, deren Bücher Dir gefallen und dass die Dir gesagt haben, dass sie plotten. Aber DASS deren Bücher Dir gefallen, ist ja auch schon ein Kriterium, nach dem Du diese Leute (unbewusst) ausgesucht hast. Wenn Dir selbst Plotten gefällt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass AutorInnen, die Dir gefallen, das auch tun. Bauchschreiber hast Du gar nicht gefragt.

Mich hast Du zum Beispiel nicht gefragt. ;) Obwohl ich seit langer Zeit eine sehr erfolgreiche Autorin bin. Aber Du bist gar nicht auf mich gestoßen. Hättest Du mich gefragt, hätte ich Dir dasselbe gesagt wie das, was ich jetzt hier gesagt habe. Und Du müsstest zugeben: Ja, da gibt es eine sehr erfolgreiche Autorin, die nicht plottet. Hast Du Steven King gefragt? Der plottet auch nicht. Und der verkauft eine Menge Bücher. Steven King und ich sind uns sehr ähnlich. Ich habe auch schon mal mit ihm Kontakt gehabt. Das ist fast 1:1. Also dass man plotten muss, ist definitiv ein Märchen, eine Erfindung der Plotter. :)

Es ist ja nicht schlimm, wenn man plottet. Aber man sollte auch nicht die einzig seligmachende Methode darin sehen. Es geht auch anders. Und zwar sehr gut. Wenn man eben ein Talent in dieser Richtung hat, nicht in Richtung Plotten. Wenn man ein Talent fürs Plotten hat, dann geht es eben mit Plotten gut. Aber beide Methoden sind gleichberechtigt und mit beiden kann man dasselbe gute Ergebnis erreichen, dieselbe gute Qualität.

Hallo @dagmar

Kannst du mir bitte mal ein Buch von dir nennen? Ich würde gern mal schauen, was und wie du schreibst? Wo kann ich deine Bücher kaufen? Bevor ich nicht etwas von dir gelesen habe, kann ich ja schlecht etwas behaupten.

Aber ich kann sagen, dass auch ich nicht der typische Plotter bin. Warum will ich das dann lernen? Weil ich einen Thriller im Kopf habe, den man eben nicht einfach so schreiben kann. Da brauche ich ein Konstrukt. Denn sonst laufe ich Gefahr, bereits zu viel zu verraten was ich weiß, der Leser aber nicht wissen soll. Ich hatte hier genau so angefangen, wie du dein schreiben beschreibst. Einfach drauf los. War mein allererstes Schreibprojekt. Dann aber hab e ich festgestellt, das es so nicht funktioniert, wie ich mir das im hintereinanderwegschreiben dachte.

Bei meinem Fantasy"Roman" habe ich auch nicht wirklich geplottet. Ich habe rund um die Idee herum kleine Geschichten geschrieben. Dadurch hat sich die Idee überhaupt erst zu einer größeren Sache entwickelt. Dann habe ich mir in 9 Stichpunkten aufgeschrieben, was passieren soll. Ganz grob. So ungefähr: 1. Sie entdeckt ihre Gabe, 2. begegnet einem alten Freund usw. Da hatte ich auch schon die erste und zweite Szene fertig plus  einzelne Geschichten, die ich später sogar teilweise integrieren konnte. Vom Prinzip her auch deinem Prinzip ähnlich, allerdings wusste ich bereits, was es ungefähr für eine Geschichte wird. Also es sollte von A nach B gehen. Den Weg dahin, den hab ich grob Skizziert, ohne die Gegend zu kennen. So hab ich während des Schreibens kleine Abstecher und Umwege gemacht. So hat sich zum Beispiel während des Schreibens ergeben, dass der Psychiater plötzlich eine sehr wichtige Rolle im Leben der Prota spielt. Eine Entscheidende sogar, denn durch seinen Tod kommt es am Ende zu der Entscheidung, die letztendlich weitreichende Konsequenzen hat. Doch nun, wo Ende drunter steht, ist mir aufgefallen, dass man die Entwicklung der Beziehung Psychiater/Prota doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken muss.

Wäre ich ein Plotter, wäre mir das eventuell früher aufgefallen. Glaube ich jedenfalls.

Ich denke, es liegt daran, was andere unter plotten verstehen. Es gibt die, die alles bis ins kleinste Detail vorher konstruieren müssen. Erst wenn sie alles ausgelotet haben, können sie schreiben. Andere brauchen nur ein Plottgerüst, vielleicht um ihre Figuren besser ausarbeiten zu können. Manche plotten, während sie schreiben. Ich persönlich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden, wie er schreiben will und kann. Es gibt kein Patentrezept. Es gibt Hilfsmittel. Je komplexer die Geschichte, um so eher wird man sich an ein Gerüst halten. Du scheinst ja deinen Plott im Kopf zu haben.

Stephen King plottet nicht im herkömmlichen Sinn, er betreibt aber für seine Figuren eine Menge Vorarbeit. Die lässt er dann auf ein Szenario los und schaut zu, wie sie damit zurechtkommen. Und dann geht er ans Überarbeiten.

Ich bin auch größtenteils ein aus-dem-Bauch-Schreiber, komme aber so langsam dahinter, dass ein bisschen vorheriges Strukturieren auch seine Vorteile hat. Kann einem jedenfalls schon einiges an Überarbeitung ersparen.
Wobei ich Überarbeitung lange nicht so sehr hasse wie so viele andere, ich finde, es hat auch seinen Reiz, dabei eine Szene so lange zurechtzuschleifen, bis sie, na ja, zumindest fast perfekt ist ;).

Ich sehe es wie @Vons7, es gibt da kein Patentrezept, vielmehr führen viele Wege zum fertigen Buch, auch zu einem richtig guten. Der richtige Weg ist dabei  jeder, der funktioniert. Den für sich selbst optimalen herauszufinden, ist dabei die eigentliche Kunst - und das finde ich an PW so toll, dass da gleich verschiedene Methoden integriert sind, mit denen man probieren und rumspielen kann.

@dagmar: Ich würde auch sehr gerne etwas von dir lesen, ich finds nämlich total faszinierend, wie man ein ganzes Buch ohne Überarbeitung in der ersten Fassung druckreif schreiben kann.

 

 

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