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Hier findest du etwas, dass es bei keinem anderen Autorenprogramm gibt: Ein Forum, das Theorie (Schreibhandwerk) mit Praxis (so mache ich das im Programm) verbindet.

Wie du siehst, gibt es ein paar Kategoriern.

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Über die privaten Nachrichten (hier gleich darunter) könnt ihr euch untereinander austauschen, wenn es z.B. ums Testlesen, Telefonnummern- und Mailadressenaustausch geht. Bitte nicht für Patchwork-Support verwenden, sondern lediglich zum Austausch untereinander.

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Martin

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Systematisches Aufraffen aus Depressionen

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Depressionen sind eine ernst zu nehmende Herausforderung für die Betroffenen. Glücklicherweise weiß man mittlerweile, dass es keine ›Faulheit‹ oder ›Laune‹ ist, sondern chemische Vorgänge in unserem Körper, die uns das Leben schwer machen.

Einerseits gibt es Medikamente, aber es ist sehr hilfreich, wenn man sich selbst mit Tricks auch noch unterstützen kann. Vielleicht geht es durch diese Tricks bei leichteren Fällen ja sogar ohne Medikamente. Hoffnungsspendend vor allem für Leute wie mich, die versuchen, Medikamente zu vermeiden, so lange es geht.

Lasst uns hier Wege sammeln, wie wir unser Leben erleichtern können, indem wir unseren Gegener überlisten.

Oh, ich glaube zu diesem Thema kann jeder von uns hilfreiche Ideen aus der eigenen Erfahrung beisteuern.

Und gemeinsam geht sowieso alles leichter. Apropo:

Leichtsinn und Schwermut.

Wenn ich leichten Sinnes bin, dann fühle ich mich gut. Wenn mich die Schwermut befällt, dann habe habe ich es schwer, weil mir vielleicht der Mut fehlt, das, woran ich so schwer zu tragen habe, das, was mich so viel Kraft kostet, loszulassen.

Ich habe für mich folgende hilfreiche Strategien entdeckt:

Ich nehme meine wichtigsten Bücher* wieder zu Hand, die mir damals in meinen schwersten Zeiten geholfen haben, zu verstehen, dass Gefühle von Schwermut, Traurigkeit, Antriebslosigkeit Anzeichen dafür sind, dass ich nicht genug Energie habe, bzw. in niedrigen Energienfrequenzen schwinge.

Mein innerstes Wesen aber, das Liebe ist und Frieden ist in jedem Moment meines Seins, das schwingt hoch und voller lebendiger Energie. Es ist das Ungleichgewicht, die fehlende Schwingungsharmonie zwischen meiner Seele und meinem menschlichen Denken und Fühlen, die mir zu schaffen macht, sagen meine Bücher. Es fühlt sich für mich wahr an.

Ganz praktisch:

Wenn z.b. abends, wie gerade gestern nach einem anstrengenden Tag, an dem ich kaum Zeit für meine Herzensdinge hatte, ich mich stumpf,  traurig und lustlos fühle, dann weiß ich, dass ich mindestens eines von diesen Zauberelixieren brauche:

1. erholsamen Schlaf

2. ich muss mir die Erlaubnis geben, am nächsten Tag mehr von den Sachen zu machen, die mich immer wieder begeistern, mir ein inneres Gefühl von übersprudelndem Glücksbrausepulver zu geben. Bei mir sind das z.b. die neuen Ideen die ich habe, wenn ich mich mit dem Plotten meiner Geschichten beschäftige. Oder

3. ich suche die Nähe zu dem einen Menschen, der mir schon ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, wenn ich nur daran denke, dass wir uns gleich wiedersehen.

4. Einen Gedanken finden, der sich besser anfühlt als der vorherige. Ich kann bei mir deutlich beobachten, wie sehr meine Gedanken Einfluss auf meine Gefühle haben. Und dann suche ich bewusst nach einem sich wahr anfühlenden besseren Gedanken.

5. Wenns noch nicht ganz so schlimm ist, mache ich mir einen bestimmten Schlager an, der meine Schwingung zuverlässig um einige Drehzahlen anhebt: "Ein Stern" von Nick P. und dem Typen mit der weißen Mütze. Keine Ahnung, wie der heißt. Der Ohrwurm mit der dazugehörigen Schwingung begleitet mich dann durch den Tag.

6. Wenn ich weiß, dass meine traurige, alles beeinträchtigende Stimmung auf einer Begegnung mit dem Menschen beruht, mit dem ich es zeitlebens am schwersten hatte, dann geb ich mich der Traurigkeit darüber hin, dass das was so war, eben so war. Ich weiß dann, dass es alte Traurigkeiten sind, die wieder hochkommen und angeschaut und betrauert werden wollen. Denn heute kann ich mit diesem wichtigsten Menschen anders umgehen als damals, einfach, weil ich selber anders, gereifter bin. Da ich diese Art von Traurigkeit (die immer auch mit alter Angst gekoppelt ist) schon kenne, weiß ich, dass es von selbst, nach ein oder zwei Tagen wieder vergeht. In der Zeit schaffe ich kaum was von meinen vielen Vorhaben, einfach weil Kraft und Interesse fehlen. Da hilft nur Hingabe an den Moment, daran, dass es jetzt so ist. Und ich weiß, dass es am nächsten Tag schon etwas anders sein wird. Weil es keinen Stillstand gibt.

* Die Bücher, die mir am Besten in meinen schwierigen Zeiten geholfen haben waren die Bücher von Neale Donald Walsch, von Esther und Jerry Hicks und die von John Gray. Auch von Rüdiger Schache und "the work" von Byron Katie.

 

Bor, was für ein schwermütiges Thema. Allein schon das Wort: Depressionen – niederdrücken – klingt für mich nach einer Freifahrtskarte in ein tiefes schwarzes Loch.

Ich hoffe dir Martin und deiner Familie geht es gut?

Zu: chemische Vorgänge in unserem Körper
Obwohl ich in so was ein absoluter Laie bin, will ich a la Hausfrau versuchen, wie man chemischen Vorgänge rund um den tiefen Sumpf der negativen Gedanken im menschlichen Körper aufdrieseln kann. Ich habe gelesen, dass die eingesetzten Medikamente wiederum zu Depressionen führen. Heilen sieht anders aus, oder?

Mein Vorschlag: Zucker verzicht.
Ich habe gelesen und von einer Bekannten bestätigt bekommen, dass Zucker insbesondere die künstlichen Arten wie Aspartam mitverantwortlich sind, für solche D*Schüppe. Irgendein Bakterium spielt da auch eine Hauptrolle. Das Bakterium braucht Zucker, solange es Zucker gibt, geht es dem Wirt also Menschen gut. Bekommt die Bakeriumbrut keinen Zucker, ist es quasi auf Entzug und dem Menschen geht es schlecht. Diese Zucker Aussage bestätigte diese Bekannte. Sie ist durch diese Zuckerentsagungshölle gegangen, lange Zeit ging es ihr gut, bis sie wieder unbewusst Zucker mit der Nahrung (in Wurst, Fisch aus Dosen, TK Gemüse) zu sich nahm. Also Augen auf was im Einkaufskorb und im Magen landet.

Auch Hanföl soll helfen. Nicht aus Samen gewonnen, sondern aus der Blüte, aber das Hanföl verwenden das in keinerlei Art berauscht. Am besten Heilpraktiker zu Hanföl befragen.

Vitamin D3. Viel Sonne. Lichttherapie.
Mit Ton was Schönes zusammenmatschen.
So auf die Schnelle fällt mir nichts weiter ein.

[Nun ich bin an sich eine Frohnatur, aber wo nun ein Markttermin nach dem Anderen sich in Luft auflöste und ich quasi nichts von meiner gefertigten Keramik verkaufen darf, sank selbst meine Laune sehr tief unter die rote Strichlinie. Aber an der Abgrundecke sitzen und auf ein Wunder warten, ist nicht mein Ding. Ich fand andere Vertriebswege. Aber dieser Arbeitsverbot und Null Einkommen ging und geht auch an meine nervliche Substanz. Wenngleich ich jetzt nur im Kleinsten und anfangsweise erahnen kann, dass mein niedergedrücktes Empfinden in etwa 0,0000000000000000000001% dem entsprach, was ein depressiver Mensch durchmacht.]

Einen schönen Nachmittag wünscht

Admelo

 

 

 

@admelo: Ist nicht meinetwegen, mir geht es ausgezeichnet. Aber viele Menschen kämpfen, speziell jetzt, denke ich mit schwarzen Löchern. Das schlägt sich natürlich auch aufs Schreiben nieder.

Deshalb möchte ich hier gerne Ideen anbieten, die wenigstens etwas in Richtung Lösung gehen. Allerdings keine Lebenshilfe, sondern auf Patchwork und das Schreiben bezogen.

Liebe Grüße
Martin

Ach so, auf Patchwork bezogen. Ja, klar, leuchtet ein.

Den Läppi aufmachen und das Programm anklicken ist für mich schon das Schwierigste. Wenn ich das erstmal geschafft habe, geht immer irgendwas, obwohl ich vorher dachte, never ever kann ich mich jetzt zum Schreiben aufraffen. Allerdings muss ich da auch das Eine vom Anderen trennen: Das was immer irgendwie geht, ist bei mir das Beschäftigen mit dem Plot und den Figuren, aber das Weiterschreiben an der Rohfassung, das schaffe ich seit Monaten nicht, obwohl ich keine Depression habe. Aber auch da ist bei mir das Schwierigste, das einzig Richtige zu tun: Zeit nehmen, hinsetzen, Patchwork öffnen.

Puh.

Hi zusammen

 

Ich denke, ich weiss, wer @Martin dieses Thema in das Bewusstsein gebracht hat. Ich leide zurzeit wieder an einer leichten, aber trozdem recht stark einschränkenden Depression und habe das vor kurzem auch Martin offenbart. Ist auch nicht die erste Depression, die ich habe und vermutlich auch nicht die letzte.

Zuerst einmal aber zu meinen 3 (wichtigsten) Tipps:

Tipp 1: Du bist nicht allein!

Depression ist weiter verbreitet als viele Denken. Weltweit sind Jährlich 350 Millionen Personen depressiv und durch Selbstmorde, vielleicht nicht alle durch Depression ausgelöst, sterben in dieser Zeitraum 1 Millionen Menschen. (Quelle: https://www.netdoktor.ch/magazin/depression-in-zahlen-6885772)

Tipp 2: Geh offen damit um.

Zumindest deinem Umfeld bzw den Personen, denen du vertraust, solltest du offen Sagen, das du an Depression leidest. Die meisten werden es akzeptieren oder gar verstehen... Und wenn nicht, dann weisst du zumindest, das du in dieser Zeit von der Person kein Halt oder Hilfe zu erwarten hast. Schlimmer als eine Depression zu haben, ist Mitmenschen um sich zu halten, die (unabsichtlich) die Depression verstärken bzw dessen Heilung/Behandlung behindern.

Tipp 3: Suche professionelle Hilfe auf!

Das ist mitunder der wichtigste Tipp. Melde dich bei einem Psychiatrischen Dienst an (oder lass dich von jemanden da anmelden). Das ist ganz besonders dann wichtig, wenn man daran denkt, sich (oder je nach dem auch andere) zu verletzen oder gar zu töten. Depression ist behandelbar - und je nach Schweregrad und Ausprägung ambulant oder stationär. Dabei wird neben den Seelischen bzw Psychischen Gründen je nach dem auch die körperliche Gründe abgeklärt und möglichst darauf abgestimmt Behandelt (mit oder ohne Medikament, mit Gesprächstherapien, eventuell auch mit Lichttherapien, Bewegungstherapien usw.).

 

Depression ist nicht gleich Depression. Das beginnt zum Beispiel bei der "Winterdepression": Diese kann in den Wintermonaten auftreten und häufig ist der Auslöser Sonnenlichtmangel (und somit meist auch ein Vitamin D Mangel). Jedoch kann es auch schon da andere (Mit-) Ursachen geben. Weitere Symptome einer Depression kann Antriebslosigkeit, Energielosigkeit, Schlafstörungen, Angstzustände, Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Gedämpfte Gefühle, "überbordente" Gefühle, Freudlosigkeit, körperliche Reaktionen und so weiter sein. Man sieht es: Die Depression ist so vielseitig, das man bei Verdacht lieber einmal zu viel beim Psychiater anmeldet als einmal zu wenig. Und dabei spielt die Schwere der Depression nur eine untergeordnete Rolle.

Die Behandlung der Depression ist ausserdem eine langwierige Sache. Auch mit Medikamente kann man nicht erwarten, das man eine Woche später (oder einen Monat) schon wieder so weiter machen kann wie vor der Depression - was in den meisten Fälle selbst nach erfolgreiche Behandlung nicht empfohlen ist. Denn meist (wenn es nicht ein Todesfall oder was ähnliches ist) muss man zumindest das ändern, was die Depression ausgelöst hat - wenn man denn herausarbeiten konnte, was es war. Denn sonst ist nach der Depression automatisch vor der Depression!

 

Ich hoffe, euch kann mein kleiner Einblick in meine Erkenntnisse und Meinung zu meinen Depressionen helfen. Und haltet euch im Zweifelsfall bitte nicht mit Fragen zurück. Solange es meine Privatsphäre nicht verletzt, werde ich die gerne nach besten Wissen und Gewissen beantworten.

 

Gruss Asaya

 

PS:

Deshalb möchte ich hier gerne Ideen anbieten, die wenigstens etwas in Richtung Lösung gehen. Allerdings keine Lebenshilfe, sondern auf Patchwork und das Schreiben bezogen.

Mist, das hab ich etwas zu spät gesehen. Magst du mir das Lebenshilfe vergeben, @Martin?

Auf diesem Gebiet kann ich keine Ratschläge geben. Ich bin ein Mensch, der nicht Depressiongefährdet ist.

Warum?

Erstens: Wenn mich was bedrückt, dann muss das raus. Ich quatsch dann irgendjemanden voll, bis ich mir sozusagen alles von der Seele geredet habe.

Zweitens: Ich nehme mir die Zeit, das zu tun, was mir gut tut (zum Leidwesen meiner Familie, denn dann bleibt alles stehen und liegen).

Natürlich hab ich auch schlechte Laune und manches mal denkt man, ich schmeiß den ganzen Mist hin, aber das sind keine Depressionen.

Deswegen kann ich hier nicht unterstützen. Wünsche aber allen, denen es so ergeht, dass sie einen Weg aus dem schwarzen Loch finden.

Hey Asaya,

kein Problem, sind ja alles zielführende Punkte, die du aufführst.

Kurz noch zu einem vielleicht allgemeinen Missverständnis zu Depressionen (ich spreche damit niemanden hier an, sondern nur für eventuelle apätere Leser). Viele meinen, man müsste sich nur zusammenreißen. Das stimmt nicht. Eine echte Depression ist ein chemischer Vorgang, dem man oft völlig hilflos ausgeliefert ist. Um zu merken, was ein bisschen Chemie vermag, braucht man ja nur ein Viertel Wein ex hinunterkippen.

Die Idee zu diesem Forenbereich kam mir durch zwei, drei Fragen im anderen Forum und ich würde mich freuen, wenn die Kollegin hier ihre Tipps teilen würde. Es sind ganz konkrete Mit-Patchwork-gegen-die-Depression-Tipps, die ich genial finde; vielleicht postet sie sie ja noch.

Liebe Grüße
Martin

Ich habe mich 2011 als Freie Schriftstellerin selbständig gemacht. Was auf den ersten Blick klingt wie eine tolle Erfolgsgeschichte - schließlich war das mein Traumberuf, seit ich ein Kind war - ist unterm Strich nur Teil meiner Krankenakte. Seit über zwanzig Jahren bin ich wegen Depressionen in Behandlung, und nach und nach stellte sich heraus, dass die Depressionen nur ein Aspekt einer größeren Sache sind - ich habe eine schizophrene Erkrankung, und die Belastung, die selbst mit einer halben Stelle als Bibliothekarin einherging, war am Ende zu viel für mich. Als meine befristete Stelle kein drittes Mal verlängert werden konnte, wusste ich, dass ich auf einer neuen Stelle nicht mehr die Probezeit überstehen würde - mein langjähriger Freund und ich rechneten alles durch; heirateten, damit ich finanziell abgesichert war, und ich nahm die Selbstädigkeit in Angriff.

Als Schriftstellerin geht es mir deutlich besser denn als Bibliothekarin, weil ich mir das Arbeitspensum besser einteilen kann und es kein solches Problem darstellt, dass es mir sehr schwer fällt, länger als eine halbe Stunde die Konzentration zum Arbeiten aufrechtzuhalten. So oder so bin ich sehr empfänglich für Ablenkung, und an schlechten Tagen muss ich mich zwingen, überhaupt irgendwas zu Papier zu bringen. Da ich inzwischen nicht nur freie, sondern auch veröffentlichte Schriftstellerin bin, habe ich eigentlich immer irgendeine Deadline im Nacken, bis zu der ein Manuskript abgegeben oder überarbeitet sein muss, und da ich eine High-Fantasy-Trilogie auf Basis des ersten Bandes verkauft habe, hieß das im letzten Jahr für den zweiten und dieses Jahr für den dritten Band, dass ich ein wirklich dickes Arbeitspensum mit wirklich wenig Zeit zu absolvieren habe - da ist es wichtig, jeden Tag dran zu schreiben, damit ich nicht plötzlich innerhalb von drei Wochen ein Dreiviertelbuch runterrotzen muss.

Meine erklärte Lieblingsfunktion in Patchwork ist der Klausurmodus. Mich zwanzig Minuten (meine übliche Session-Länge) im Programm einsperren, mich nicht an die üblichen Verdächtigen Facebook, Google, Wikipedia lassen, sondern mich zum Arbeiten zwingen, hilft mir sehr. In zwanzig Minuten schafre ich üblicherweise zwei Nomseiten, das ist immerhin was. An guten Tagen schaffe ich, mit langen Pausen dazwischen, drei von diesen Sitzungen. An schlechten Tagen bleibt es bei einer, aber ich habe immerhin das Minimum geschafft. Ich muss nur dran denken, meine Musik anzumachen, bevor ich die Klausur starte, sonst fehlt mir was.

Ich spreche sehr positiv auf virtuelle Fleißkärtchen oder andere Sachen, die das Belohnungszentrum des Gehirns stimulieren, an. Seit anderthalb Jahren arbeite ich mit 4theWords, einer Seite für Autoren, die spielerisch aus der Prokrastinationsfalle kommen wollen. Eingebettet in eine (ziemlich wirre) Rahmenhandlung erkundete man eine phantastische Welt und kämpft gegen eine Vielzahl von kleinen und großen Monstern, deren Lebenspunkte der zu schreibenden Wortzahl entsprechen. Man kann zwar da auch direkt im Browser schreiben, ich ziehe es aber vor, in Patchwork zu schreiben und die Wörter dann rüberzukopieren. Das Minimalpensum, das man dort schaffen muss, um seine Siegessträhne am Laufen zu halten, sind 444 Wörter, aber nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Im letzten November (Nanowrimo) habe ich über 100.000 Wörter geschafft, das war eine riesige Leistung, auf die ich immer noch stolz bin.

Woran ich wirklich arbeiten muss, ist, mir zu verzeihen, wenn es eben nicht so gut läuft. Wenn ich einmal in diesem Strudel aus Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen stecke, fällt es mir doppelt schwer, wieder ins Schreiben reinzufinden. Ich fühle mich sehr oft sehr schäbig, weil mein Mann zehn Stunden am Tag für die Arbeit unterwegs ist und ich selbst an guten Tagen nicht mehr als dreimal zwanzig Minuten lang arbeite - es fällt mir schwer, mich dann nicht faul und wie ein Versager zu fühlen. Ich träume davon, mit dem Schreiben irgendwann so viel zu verdienen, dass mein Mann nicht mehr arbeiten muss, aber ehrlich, ich weiß, dass das beim Traum bleibt, ich verdiene mit der Schreiberei gerade so eben genug, dass ich mich selbst krankenversichern muss und die Künstlersozialkasse mich aufgenommen hat, und meine Bücher, die mehr ein Nischenpublikum ansprechen, werden es nie zu Bestsellern schaffen.

Aber ich habe es geschafft, aus einer suboptimalen Situation für mich das Beste rauszuholen, ich habe einen Vertrag mit meinem ab-so-lu-ten Traumverlag, und ehrlich, ich denke nicht, dass meine Bücher besser wären, wenn ich acht Stunden am Stück dran schreiben würde.

Liebe Buchmensch,

Woran ich wirklich arbeiten muss, ist, mir zu verzeihen, wenn es eben nicht so gut läuft.

ich bin voller Hochachtung für das, was du trotz der Depression zu leisten in der Lage bist! Ich schaffe nicht annähernd so viel zu schreiben.

Vergiss bitte nicht: Dein Mann liebt DICH, nicht deine Arbeitsleistung. Er hat dich an seiner Seite. Ohne dich wär sein Leben vielleicht öd und leer.

Ich kann das so behaupten, weil ich auch einen übermäßig fleißigen Mann an meiner Seite habe und egal wie sehr ich versuchen würde, eben so fleißig zu sein, ich könnte es nicht schaffen. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Es geht um die Zeit, die wir zusammen haben. Das ist, was wertvoll und einzigartig ist, weil wir zusammen sind.

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