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Was an Patchwork ist überhaupt für Liebesromane geeignet?

Das habe ich mich heute gefragt, als ich hier so herumgelesen und herumgeschrieben habe. Patchwork ist ein tolles Programm, aber ist es für Liebesromane nutzbar?

Ich wollte das gerade eben mal mit dem Storybuilding-Assistenten ausprobieren. Kann ich damit auch eine Liebesgeschichte bauen? Und da geht es schon mit dem 1. Punkt los. Die Mission.

Was ist die Mission bei einer Liebesgeschichte? Sie will ihn, er will sie oder bei gleichgeschlechtlichen Paarungen sie will sie, er will ihn. Das ist immer gleich, kann man also gleich für alle Romane, die man schreiben will, stehenlassen.

2. Punkt im SB-Assistenten: Das Problem.

Okay. Auch das ist festgelegt. Das Problem ist etwas, das die Hauptperson daran hindert, die angebetete Person zu bekommen. Ein alter Lover, alte Verletzungen aus alten Beziehungen, eine aktuelle Beziehung, die noch nicht beendet ist, Minderwertigkeitskomplexe, unausgesprochene Geheimnisse, Missverständnisse. So viel mehr gibt es glaube ich gar nicht. Früher waren es sehr oft gesellschaftliche Unterschiede oder reich/arm, das ist heute meistens nicht mehr so, könnte aber für einen historischen Liebesroman noch interessant sein.

3. Punkt: Das Casting.

Da wird gefragt: Wer ist die Hauptfigur? Das ist hier aber viel zu spät, denn die Hauptfigur gehört eigentlich an den Anfang, und die steht auch fest. Das ist die Frau, die den Mann erobern will (oder die Frau, die die Frau erobern will oder der Mann, der den Mann erobern will. Der Mann, der die Frau erobern will, ist in gängigen Liebesromanen fast nie die Hauptfigur, auch wenn manchmal so getan wird von den Autorinnen).

Es gibt bei Liebesromanen eigentlich keine "Alte Welt". Der Roman beginnt in dem Moment, in dem die Hauptfigur den Love Interest das erste Mal sieht. Das passiert natürlich in ihrer aktuellen Welt, aber die wird sich nicht viel verändern, das bleibt so bis zum Ende.

4. Punkt: Wendepunkte.

Kann man teilweise auch in Liebesromanen brauchen.

1. Ende Akt1. Die Figur bricht auf, Ende der Komfortzone

Die Heldin entscheidet sich, dass sie den Mann wirklich haben will, und unternimmt irgendetwas in der Richtung, ihn zu bekommen.

2. Mitte Akt 2. Die Figur erkennt, worum es geht, hat sich aber noch nicht verändert.

Da wüsste ich keine richtige Entsprechung in einem Liebesroman. Die Figur weiß von Anfang an, worum es geht, nämlich um die Liebe.

3. Vor Ende Akt 2. Krise, Rückschlag, es geht nicht.

Das ist absolut 1:1 in einem Liebesroman. Hier kommt der große Knall, die große Trennung meistens.

4. Ende Akt 2. Tiefste Tiefe. Figur erkennt, Veränderung zulassen zu müssen.

Kann sein, kann auch nicht sein. Vielleicht muss die Figur auch nur eine Möglichkeit finden, den Love Interest neu für sich zu interessieren, ohne sich zu verändern. Vielleicht hat sie nur etwas aus ihrer Vergangenheit vergessen zu erwähnen, das ihn herumkriegen wird.

5. Akt 3. Endgültiger Sieg oder Niederlage und Ausklang

Auf jeden Fall Sieg. Happy End. Entweder Hochzeit oder die gegenseitige Erkenntnis, dass man zusammengehört, manchmal auch schon Schwangerschaft oder das Gespräch über Kinder. Oftmals aber einfach nur noch mal toller Sex. :D

 

Wie man sieht, ist das in einem Liebesroman so schematisch, dass es im Prinzip nicht viel braucht. Wie man es dann füllt, das kann sehr spannend sein, aber weder braucht man viele Figuren noch viele Locations noch große Veränderungen oder Hilfsmittel. Das geht alles mit dem normalen Alltag im Hier und Jetzt. Deshalb ist ein Programm wie Patchwork da eigentlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Aber trotzdem kann es sehr nützlich sein, wenn man beispielsweise historische Liebesromane schreibt oder auch Romane mit sehr vielen Figuren, vielleicht sogar mehreren parallelen Liebesgeschichten oder einen Fantasy-Liebesroman, der in verschiedenen Zeitebenen spielt oder so etwas.

Hey Dagmar,

zuerst einmal sehr herzlich willkommen hier! Ich freue mich, dass du meiner Einladung gefolgt bist und noch mehr, dass du gleich so ein klasses Thema mitbringst.

Warum ist der Storybuilding-Assistent auch für Liebesromane geeignet (ist er nämlich :-) )?

Freilich läuft es im Prinzip so ab, wie du es beschreibst: Sie › Er, Er › Sie, Sie › Sie oder Er › Er. Aber das hat m.E. weniger mit dem Plot zu tun als mit dem Genre. Wäre es der Plot, dann wären alle Liebesromane gleich (okay, leider sind es manche tatsächlich, aber das sind nicht die wirklich guten).

Also gehen wir mal die Schritte einzeln durch.

Mission: Die Mission ist absolut nicht, dass sich zwei finden. Das ist das Ergebnis, und so möglichst nebenher sich das ergibt, umso authentischer. Die Mission ist etwa, dass nicht alles so kommt, wie man es sich denkt. Jeannette möchte nie wieder einen Mann, schon seit einem Jahr, als sie von Brandon betrogen wurde. Aber sie lernt im Waschraum der Toilette des ländlichen Flughafens den Flugzeugmechaniker John kennen. Lora mag intellektuelle Männer mit Esprit. John ist das absolute Gegenteil. Das könnte eine Mission sein, eine andere: Wie finden Leute zusammen, die das Gegenteil ihrer Träume sind? Aber bleiben wir bei Jeanette. Die Mission ist nicht unbedingt das, was der Protagonist will, sondern du willst den Lesern etwas zeigen, es ist also deine Mission. Denk dir was aus, je schräger desto besser, und dann schau, wie du die Geschichte drum herum wickelst.

Problem: Jeannette will ja keinen Mann. Aber die Begegnung mit John kann sie nicht vergessen. Doch ein Mechaniker? Nein, wirklich nicht. Sie erinnert sich trotzd allem wehmütig an die Theaterbesuche mit Brandon, an die gediegenen Essen im Golfclub. Aber dieses animalische Gefühl in ihrem Bauch hat sich festgekrallt wie eine Zecke. Das ist ein Problem: Sie muss etwas tun, damit sie John vergisst. Das Problem dahinter, dass sie hin und her gezogen ist. Sie ist eine gebildete Frau, aber in ihrer Gebildetheit immer auf der emotionalen Suppe wie ein Fettauge geschwommen, anstatt einmal in die Brühe einzutauchen. Sie spürt, dass sie das tun muss, aber sie will in der alten Welt bleiben, die so unaufgeregt smooth ist.

Casting: Okay, wir haben Mission und Problem benannt. Dass die Hauptdarstellerin feststeht, ist eh klar (oder vielleicht nicht einmal das, denn wir müssen uns für die Mission eventuell den passenden Typ aussuchen). Aber was ist mit den anderen Rollen? Wen haben wir da? Da sind mal vermutlich Eltern, die das gute Haus ausmachen, aus dem Jeannette kommt. Die werden natürlich Argumente liefern, dass Jeannette mit ihrer intellektuellen Schiene auf dem rechten Pfad ist. Wer ist auf der Seite ihrer Emotionen? Wer kann ihr dabei helfen, sie aus ihrem Glashaus zu befreien? Ganz klar, zum Beispiel eine Freundin seit Kindertagen, die durchgeknallte Lora. Wilder rothaariger Wuschelkopf, lässt nichts anbrennen und ist für jeden Blödsinn zu haben usw. usw. Oder eine Oma, die wild war in ihrer Jugendzeit. Im Casting suchen wir zusätzliche Rollen, die die Mächte im wahrsten Sinn des Wortes verkörpern, die an der Protagonistin zerren.

Okay, der Rest dürfte ziemlich klar sein. Du verstehst, was ich meine?

Liebe Grüße
Martin

Vielen lieben Dank an euch beide, es hat mir sehr gefallen, eure Worte zu lesen.

😊

Du solltest Liebesromane schreiben, @martin. ;) Die würden zwar sehr schräg, aber hochinteressant. Apropos schräg: Je schräger, desto besser, das stimmt leider nicht. Jedenfalls nicht für klassische Liebesromane. Wenn meine Romane zu schräg würden, würden meine Leserinnen sie nicht mehr lesen. Denn sie erwarten gewisse Dinge, und wenn die nicht kommen, sind sie enttäuscht. Man kann das natürlich bis zu einem gewissen Grade variieren, aber es gibt sehr enge Grenzen.

Die Mission ist, dass nicht alles so kommt, wie man es sich denkt. Das stimmt. Danke für den Hinweis auf die Unterscheidung zu dem, was ich als Mission aufgefasst hatte. Dann ist die Mission eher eine Prämisse. Sehr klassisch mit dem Vorsatz: Ich will keine Liebe mehr, das tut nur weh, und dann kommt es eben anders.

Sie spürt, dass sie das tun muss, aber sie will in der alten Welt bleiben, die so unaufgeregt smooth ist.

Das ist ein sehr generisches Problem. Nachvollziehbar. Nur dass der klassische Liebesroman so mehr in Richtung Wie heirate ich einen Milliardär? geht. (Früher war es ein Millionär, aber das reicht mittlerweile nicht mehr.) Das heißt, die Protagonistin will auf jeden Fall ihre alte Welt verlassen, in der sie die arme Sekretärin, die arme Krankenschwester, die arme Verkäuferin ist. Denn ihre Welt ist gar nicht smooth. Das kann sie erst sein, wenn sie dann den Milliardär und sein Geld hat.

Okay, ein etwas anspruchsvollerer Roman könnte auch in die andere Richtung gehen, aber ein Genre-Liebesroman, der eventuell sogar Teil einer Reihe ist, eher nicht. Das Problem ist eher, dass die Hauptfigur nicht das Leben leben kann, das sie leben will, weil sie nicht die Mittel dazu hat. Gleichzeitig beleidigt sie den Milliardär natürlich die ganze Zeit, wirft ihm vor, dass er sie kaufen will etc., obwohl das eigentlich genau das ist, was sie will. (Und er lässt sich das gefallen und versucht trotzdem weiter, sie zu gewinnen, obwohl das eigentlich wenig nachvollziehbar ist.)

Die beste Freundin ist sehr klassisch, fast vorgeschrieben. Am wichtigsten ist aber die beste Feindin, die eventuell mit der Hauptfigur um den Milliardär konkurriert. Eine Bitch natürlich, nach Ansicht der Hauptfigur. Aber sie kann sich gut verstellen und überzeugt den Milliardär eventuell davon, dass sie die bessere Wahl ist.

Sehr viele Figuren darf ein Liebesroman allerdings nicht haben. Meistens dreht es sich tatsächlich nur um die beiden Hauptfiguren. Nebenfiguren gibt es so gut wie keine, dafür ist gar kein Platz, denn ein Liebesroman darf ja keine 100.000 Wörter haben.

Klar, die Mutter darf auch mal auftauchen, ist begeistert, dass die Tochter endlich einen Mann gefunden hat, bald heiratet und Kinder kriegt und damit ihren Auftrag als Frau erfüllt, während die Tochter sich noch fragt, ob der Milliardär nicht vielleicht doch eher die Bitch vorzieht und wie sie das ändern soll. Das kann sie ihrer Mutter natürlich nicht sagen, weil die dann wieder mit der alten Leier ankommt, dass ihre Tochter sich einfach nicht genug anstrengt, einen Mann für sich zu interessieren, was die Tochter vermeiden will.

Ganz wichtig ist natürlich auch der Sex. Der Verlag gibt vor, wie viel Sex ein Roman haben darf. Das geht von gar kein Sex (wo das Erotischste ist, dass sie zusammen bei Kerzenlicht beten ;)), über eine Sex-Szene für den ganzen Roman oder zwei (das ist am üblichsten, einmal am Anfang und einmal am Ende) bis zu den Romanen, die eigentlich fast nur aus Sex bestehen, der nur mal kurz für eine meist kaum vorhandene Story unterbrochen wird. Okay, so etwas schreibe ich natürlich nicht ;), aber das Muster ist immer dasselbe, mit oder ohne Sex.

Also ein Casting ist eigentlich überflüssig, dafür gibt es gar nicht genug Figuren, und die sind vorgegeben.

Das ist das Problem, das ich meinte: Für einen solchen Liebesroman schießt man mit Patchwork mit Kanonen auf Spatzen. Was ich sehr schade finde, aber Liebesromane sind nun einmal eine sehr schematische Gattung, da kommt man nicht darum herum, das zuzugeben.

Ja, klar, Jojo Mojes, Cecelia Ahern und Konsorten ... Die gibt es natürlich auch. Da gibt es auch ein paar mehr Personen. Aber für einen der gängigen Liebesromane braucht man weder Recherche noch viele Personen. Weshalb so ein Ding bei den Groschenromanautorinnen ja auch in 14 Tagen geschrieben ist. 64 Seiten in großer Schrift und zwei Spalten mit Abstand dazwischen bedruckt. Keine Ahnung, wie viele Wörter das sind, viele nicht.

Nora Roberts schreibt längere Bücher, aber auch da wiederholt sich alles. Wenn man wie sie allerdings schon Millionen über Millionen mit seinen Romanen verdient hat, ist das dann auch egal. Es wird alles gekauft, einfach weil ihr Name draufsteht. Das Schema ist immer gleich, wie schon zu Urzeiten bei Barbara Cartland. Die hatte vier Sekretärinnen, denen sie gleichzeitig vier Bücher diktiert hat. Unvorstellbar. :D

Wenn ich deine Beschreibung über Liebesromane lese, bin ich mir sicher. So etwas will ich nicht lesen. Denn das ist genau das:

Weshalb so ein Ding bei den Groschenromanautorinnen ja auch in 14 Tagen geschrieben ist.

Für mich ist das was für "Heimchen am Herd" (nicht abwertend gemeint). Und das bin ich nicht. Es darf schon eine Liebesgeschichte sein. Aber dann nehm ich doch lieber die vom Martin ;o)

Dagmar, deine Frage war ja, ob Partchwork für Liebesromane geeignet ist oder vielmehr, welchen Mehrwert es bringt.

Selbst kann ich mich nicht in die Rolle einer Autorin (oder eines Autors) versetzen, die Mal für Mal das von dir beschriebene Standardsetting herunterspult. Schrecklich. Ich glaube auch nicht, dass das von Verlagen generell so gewünscht ist - von manchen vermutlich schon, sowas gibt's immer - ja nicht einmal von Lesern. Dafür braucht man nur mal Liebesromane zu nehmen, die wirklich gut sind, seien sie von Myriam Klatt oder Helen Russell oder Jojo Moyes oder Sylvia Lott oder vielen anderen. Auch Liebe, aber jedes Mal neu und anders.

Schließlich stellt sich aber auch hier immer wieder die Frage, ob man schreibt, um Geld zu verdienen, es einem aber egal ist, was man schreibt oder ob das Schreiben Spaß machen soll.  Spätestens nach dem dritten Milliardär muss es grottenlangweilig werden, wenn nicht irgendetwas Originelles drin ist. Und wenn es nur meinetwegen ein eine junge Frau ist, deren Minidrohne versehentlich in die riesige Wohnzimmerscheibe einer Milliardärsvilla knallt, weshalb sie von der Security als vermeintliche Industriespionin vor den großen Boss geschleift wird - egal, halt anders.

Jedenfalls fürs Herunterspulen genügt das älteste Word, und das betrifft nicht nur Lieberomane.

Liebe Grüße
Martin

Zitat von vons7 am 31. Mai 2020, 21:36 Uhr

Wenn ich deine Beschreibung über Liebesromane lese, bin ich mir sicher. So etwas will ich nicht lesen. Denn das ist genau das:

Weshalb so ein Ding bei den Groschenromanautorinnen ja auch in 14 Tagen geschrieben ist.

Für mich ist das was für "Heimchen am Herd" (nicht abwertend gemeint). Und das bin ich nicht. Es darf schon eine Liebesgeschichte sein. Aber dann nehm ich doch lieber die vom Martin ;o)

Wenn Du je einen meiner Romane gelesen hättest, würdest Du das vielleicht nicht sagen. ;) Aber Du bist auch nicht die anvisierte Zielgruppe. Das ist ja auch nichts Schlimmes. Wenn man gern Liebesromane liest, liest man gern Liebesromane. Wenn man nicht gern Liebesromane liest, liest man eben keine Liebesromane. Jeder Mensch ist nun einmal anders. Die einen mögen Liebesromane (99% Frauen - Du gehörst zu dem restlichen Prozent ;)), die anderen mögen keine Liebesromane (99% Männer - aber es gibt eben auch ein paar, die Liebesromane mögen).

In Liebesromanen geht es in erster Linie um romantische Gefühle, und dafür sind Männer meistens keine Spezialisten (und manche Frauen auch nicht). Also ist das eine sehr spezielle Nische. Von der ich gut lebe. :)

Mit Heimchen am Herd hat das übrigens nichts zu tun. Ich habe Leserinnen, die Ärztinnen sind oder Staatsanwältinnen oder Managerinnen oder Uni-Professorinnen. Es geht darum, dass man in dieser gefühllosen Welt seine Gefühle oft nicht so ausleben kann, wie man das gern möchte. Dass es den Prince Charming eben nicht gibt. Und für sehr gefühlsbetonte Menschen (meistens wie gesagt Frauen, aber auch einige Männer) fehlt dann eben etwas im eigenen Leben. Also liest man einen Roman mit Happy End, in dem die Gefühle das Wichtigste sind und alles andere nur Nebensache. Da kann man dann richtig durchatmen oder mitfiebern oder auch ein paar Tränchen vergießen - und am nächsten Tag ist man wieder die harte Managerin bei Mercedes, die Leute rausschmeißt. So ist das Leben.

Zitat von martin am 31. Mai 2020, 22:18 Uhr

Dafür braucht man nur mal Liebesromane zu nehmen, die wirklich gut sind, seien sie von Myriam Klatt oder Helen Russell oder Jojo Moyes oder Sylvia Lott oder vielen anderen. Auch Liebe, aber jedes Mal neu und anders.

Genau. :) Das ist das, was ich meinte. So sind meine Romane auch. Ich glaube nicht, dass es einen meiner Romane gibt, der auch nur annähernd so ähnlich ist wie ein anderer Roman von mir. Ich schreibe auch unter verschiedenen Pseudonymen völlig verschiedene Romane, mit verschiedenen Schwerpunkten. Was Du hier erwähnst, ist der Unterschied zwischen Serienliebesromanen und Einzeltiteln. Das wird leider oft in einen Topf geworfen, das sind aber völlig verschiedene Genres und Herangehensweisen. Die Serientitel sind die Groschenromane. Einzeltitel sind richtige Romane. Wenn Leute etwas Abschätziges über Liebesromane sagen, meinen sie meistens die Serientitel und lassen die Einzeltitel völlig außen vor. Das muss man aber unterscheiden (wie Du hier).

Schließlich stellt sich aber auch hier immer wieder die Frage, ob man schreibt, um Geld zu verdienen, es einem aber egal ist, was man schreibt oder ob das Schreiben Spaß machen soll.

Ich schreibe jetzt seit fast 30 Jahren Liebesromane, und ich verdiene Geld damit. Aber es macht mir auch großen Spaß. Immer noch. Weil es eben immer wieder eine andere Geschichte ist, immer wieder andere Menschen, immer wieder andere Probleme. Auch wenn das alles übergreifende Thema immer dasselbe ist: Liebe überwindet alles. Aber das kann man sehr abwechslungsreich gestalten. In meinen Dutzenden von Romanen habe ich das glaube ich getan. Wenn man sehr für eine Sache brennt - und ich brenne absolut für das Schreiben von Liebesromanen -, dann kann man sich immer wieder neu erfinden. Das ist das, was viele Autorinnen und Autoren leider oft nach dem zehnten Roman vergessen. Und dann wird es tatsächlich langweilig, da gebe ich Dir recht.

 Spätestens nach dem dritten Milliardär muss es grottenlangweilig werden, wenn nicht irgendetwas Originelles drin ist. Und wenn es nur meinetwegen ein eine junge Frau ist, deren Minidrohne versehentlich in die riesige Wohnzimmerscheibe einer Milliardärsvilla knallt, weshalb sie von der Security als vermeintliche Industriespionin vor den großen Boss geschleift wird - egal, halt anders.

Das mit der Drohne ist wirklich eine nette Idee. Darf ich die verwenden? ;) Nein, ich glaube nicht. Die meisten Frauen wollen nicht mit Technik konfrontiert werden in einem Liebesroman, das törnt sie ab. Aber die Idee ist trotzdem klasse! :D Allerdings müsste man das umdrehen. Er will sie mit seiner Minidrohne beobachten, wird entdeckt und dann zur großen Chefin geschleift, die ihn von oben herab ansieht und ins Verlies werfen lässt. :D Das würde den Frauen wieder gefallen. :lol:

Man muss sein Publikum kennen. Denn wir schreiben fürs Publikum, nicht für uns selbst. Das ist natürlich der erste Anfang, solange wir noch Amateure sind, Selbstverwirklichung, für uns selbst die Geschichten schreiben, die wir lesen wollen und die andere nicht schreiben usw., aber sobald man professionell schreibt, muss man das Publikum im Blick haben. Frauen lesen anders als Männer (bis auf das 1%), und deshalb muss man Bücher für Frauen auch anders schreiben. Den Bedürfnissen von Frauen entsprechend. Die Männer oft nicht kennen. (Umgekehrt ist es genauso. Frauen kennen die Bedürfnisse von Männern auch oft nur sehr an der Oberfläche. Weshalb Frauen, die Bücher schreiben, in denen es einen männlichen Protagonisten gibt, auch immer sofort als Autorinnen zu erkennen sind, selbst wenn sie sich ein männliches Pseudonym geben).

Wenn man aber über Liebesromane spricht, muss man sie auch kennen. Sonst hat das keinen Sinn. Wenn man meint, alle Liebesromane wären gleich oder nur für Heimchen am Herd, versteht man nichts von der Sache. Deshalb können wir auf der Ebene auch nicht darüber diskutieren. Dann diskutieren wir nur allgemein verbreitete Klischees über Liebesromane, nicht die Bücher selbst, wie sie wirklich sind.

Was ich mir in Patchwork noch wünschen würde, wäre das Romancing the Beat Sheet von Gwen Hayes. Denn das bildet tatsächlich die Beats für einen Liebesroman ab, wie sie sonst nirgendwo abgebildet werden. Der Liebesplot (Liebe überwindet alles) ist der Hauptplot. Und daneben gibt es dann noch den Subplot, der sich auf irgendetwas Externes bezieht (was in anderen Romanen der Hauptplot wäre) oder auch mehrere Subplots. Aber alles ist dem Liebesplot untergeordnet, nachrangig. Das bedeutet nicht, dass das Buch dadurch langweilig oder immer wiederholbar wird, aber wenn man einmal die Beats von Gwen Hayes mit dem üblichen Beat Sheet vergleicht, sieht man sofort, worauf es ankommt.

Zuerst einmal gibt es immer zwei „Helden“, also zwei Protagonisten, nicht nur eine oder einen. Beide sind gleich wichtig und müssen dementsprechend ausgearbeitet werden. Da gibt es dann das Setup, in dem beide jeweils allein gezeigt werden, dann kommt das Meet Cute, wo sie sich treffen (genauso wie in jedem romantischen Film. Das Konzept stammt ja aus dem Filmbereich), und ab da geht dann der Weg von den „löchrigen Herzen“ (hole-hearted) zu den „vollständigen Herzen“ (whole-hearted) los. Das Wortspiel, das Gwen Hayes da macht, kann man im Deutschen leider nicht nachmachen. :)

Der Ablauf ist allerdings tatsächlich immer gleich: Falling in Love - Retreating from Love - Fighting for Love

Dieses Muster kann man aber auf sehr verschiedene Art füllen. Wie gesagt, das Beat Sheet fehlt noch in Patchwork. Wenn das da wäre, könnte man auch Liebesromane mit Patchwork schreiben. Darin, wie man dieses Muster füllt, kreativ, fantasievoll, immer wieder anders, zeigt sich die Kunst einer Autorin (oder eines Autors. Es gibt ja auch Männer, die Liebesromane schreiben). Wenn sie das nicht kann, sondern immer nur dasselbe schreibt, wie mit Textbausteinen, dann ist sie in meinen Augen keine Schriftstellerin, sondern eben nur eine Schreiberin. Ich bin Schriftstellerin, und deshalb mache ich da immer wieder etwas Neues draus, was die Leserinnen auch immer wieder gern lesen. Das Entscheidende, was sich aber nie ändern darf, ist der Fokus auf die Gefühle. Was auch immer äußerlich passiert oder im Plot steht, wenn es nicht mit romantischen Gefühlen aufgefüllt wird, ist es wertlos (für einen Liebesroman).

Wenn die Drohne das Fenster trifft, dann kommt es darauf an, die Augen zu beschreiben, die darauf reagieren. Den Herzschlag. Die Hände, die sich zu Fäusten ballen. Wenn die beiden sich dann das erste Mal sehen, dann ist alles Äußerliche völlig nebensächlich, es geht nur darum, was sie in diesem Augenblick fühlen. Selbst wenn es Hass oder Verachtung ist (am Anfang können sie sich durchaus hassen, das muss sich dann im Laufe des Romans ändern).

Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, die Liebe und die Entwicklungen der Liebe zu beschreiben, das ist endlos. Daraus kann man Millionen von Romanen machen. Kein anderes Thema ist so ergiebig. Deshalb ist ein Leben ohne Liebe ja auch sinnlos. Und wenn man die Liebe vielleicht nicht so im täglichen Leben findet, liest man eben Liebesromane, um sein Leben doch noch vollständig zu machen.

Hallo @dagmar

Wenn Du je einen meiner Romane gelesen hättest, würdest Du das vielleicht nicht sagen. ;)

Würde ich gern einmal. Ganz ohne Vorurteile. Denn selbst wenn das mit "armes Mädel will einen Milliardär angeln" nicht meinen Vorstellungen von Liebesroman entspricht, kann man ja etwas über die Art zu schreiben lernen. Gerade wenn dein Fokus auf der Beschreibung der Gefühle liegt. Da hätte ich sicher noch Nachholbedarf, so als Amateurin. Und da sind gut geschriebene Liebesromane sicher eine Inspiration.

Ich würde mich freuen, eines deiner Werke käuflich zu erwerben, entweder schickst du mir eine PN oder verlinkst hier ein paar Bücher zum auswählen. Wer weiß, vielleicht revidiere ich mich nachher und werde doch noch Fan ;O)

Es ist ja nicht so, das ich keine Liebesromane lese (okay, Filme schau ich von dem Genre wesentlich mehr). Aber mir wäre es lieber, wenn es nicht der Milliardär ist. Sondern der Junge von neben an, den sie bis zum Tag X eigentlich immer übersehen hat, auf der Suche nach der großen Liebe. Und bei der heutigen Emanzipation stelle ich mir vor, träumt die eine, oder andere "Frau Chefin" von einem feschen Freibeuter oder einen Schotten aus einem anderen Jahrhundert ;O)

Weiterhin denke ich, dass die Männerwelt nicht mehr nur zu einem Prozent Liebesromane liest. Die Männer sind softer geworden. Heut zu Tage bleibt Mann gern zu Hause, kocht und betreut die Kinder, während Frau Karriere macht. In der Beziehung hat sich einiges geändert. Nur nicht in den Etagen, wo das große Geld regiert. Da krallen die Männer sich gern an alten Idealen fest (vermute ich aber nur).

Also, falls du magst, Ich würde gern was von dir lesen.

 

Lieben Gruß Yvonne

 

Hallo vons7,

dass die Männer softer geworden sind, und auch ab und an Liebesromane lesen, oder Liebesfilme anschauen, mag wohl richtig sein. Doch in einem möchte ich dir, als Mann und Macho widersprechen. Geschichten oder Filme, in welchen sich "Frau" in einen gewöhnlichen Jungen von nebenan verliebt, finde ich langweilig. Wenn schon, dann muss es der Milliardär, der "frauenerniedrigende" Scheich, der brutale Kämpfer oder der Explorer sein.

"Normale" Personen gibt es im richtigen  Leben, im Roman sind sie langweilig.

 

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