Die Story

Eigentlich wollte ich gar kein Programm schreiben.

Heute gibt es alles, also natürlich auch tolle Software für Autoren, dachte ich, als ich mich 2012 meiner Schreiberfamilienwurzeln wieder-besann – meine Eltern waren erfolgreiche Sachbuchautoren – und meinen Roman aus dem Jahr 2002 aus der Schublade holte. Der war noch zur Gänze mit Word geschrieben und damit überarbeitete ich ihn auch fertig. Doch mit meinem nächsten Projekt Lachsspringen wollte ich es professionell angehen und sah mich nach einer speziellen Software um. Es störte mich, Notizen in einem eigenen Dokument vorhalten und für zeitliche Zusammenhänge Excel verwenden zu müssen. Schließlich blieb ich bei drei Programmen hängen.

Das erste, yWriter5, fand ich ganz nett aber doch recht rudimentär. Scrivener gefiel mir besser, aber es hatte keinerlei Features für mich als in Deutsch schreibenden Autor und außerdem keine integrierte Timeline. Also entschied ich mich für Papyrus. Es war hauptsächlich die Datenbank für Figuren, die mir dabei gefiel. Leider konnte ich das Programm seiner Einschränkungen wegen nicht genügend testen, also kaufte ich eine Lizenz. Im Laufe des Schreibens von Lachsspringen lernte ich nicht nur das Programm sehr gut kennen – als ITler tut man sich da vielleicht leichter – sondern wurde auch reger Gast im Forum, wo man mir freundlich begegnete.

Vielleicht war ich nicht der ideale Anwender für das Programm. In meiner 35jährigen IT-Laufbahn war das Thema Usability, also wie man eine Aufgabenstellung optimal programmseitig unterstützt, bald zu einem Lieblingsthema geworden. Zuerst dachte ich, dass ich die Tricks, wie man was macht, bei Papyrus noch nicht kannte, kam aber bald dahinter, dass gewisse Dinge entweder tatsächlich nicht möglich waren (zum Beispiel mit einer Taste vom Navigator in den Text zu gelangen) und andere extrem kompliziert (z.B. Textformatierung und Figurenhandling). Also bot ich mein Know-how an. Ich hätte sogar angeboten, beim Programmieren selbst mitzuhelfen, wenn man mich gefragt hätte, in heutigen Zeiten mit Internet ja kein Problem. Da das aber niemand tat, beschränkte ich mich auf immer wieder konkrete Vorschläge für Verbesserungen. Davon wurde aber kein einziger umgesetzt. Im Gegenteil befremdete es mich zunehmend, dass Vorschläge und Fehlerreports einfach aus dem Forum verschwanden mit dem Argument, das wäre für die Anwender nicht nützlich. Für einen kleinen Schmunzler gut: Auch heute findet man im Papyrusforum noch keinen einzigen Beitrag unter dem Schlagwort ›Patchwork‹.

Es war die Timeline und mit ihr kam der Eklat. Ich war mittlerweile schon einige Monate Betatester und konnte so die neuesten Entwicklungsstände einsehen. So auch die neue Timeline. Sie war horizontal orientiert, wie das Filmschnittprogramme sind. Szenen eines Romans folgen einander aber meistens nicht nahtlos, da können schon auch einmal Jahre dazwischen liegen. Dadurch hat man bei einer horizontalen Timeline lauter Knöllchen, die zwar den Zeitpunkt korrekt angeben, aber man hat keine Ahnung, um welche Szene es sich handelt. Oder man zoomt ganz tief hinein, was prima funktioniert, aber dann fehlt wiederum der Überblick. Mein Vorschlag, die Timeline stattdessen vertikal anzuordnen, was dem Problem Abhilfe geschaffen hätte, war für den mittlerweile etwas verärgerten Chef zu viel. Kurzerhand beschimpfte er mich etwas und warf mich aus der Testerriege. Ich wunderte mich erst einmal.

Nachdem das Staunen abgeklungen war – das alles war übrigens kurz vor Weihnachten 2013 – fragte ich mich: was nun? Papyrus hatte so viele Schwachstellen – in meinen Augen, wohlgemerkt – und Chance auf Besserung gabe es offenbar keine. Und dann dachte ich zum ersten Mal: ›Hey, du programmierst doch über dreißig Jahre, mach doch selbst was.‹ Und so entstand Patchwork, für das ich aber gleich das szenenorientierte Modell wählte, was eindeutig besser geeignet ist für jede Art von Geschichte – auch wenn ich mich selbst daran gewöhnen musste. Aber auch jetzt dachte ich noch nicht daran, das Programm zu vertreiben. Mein Gedanke war lediglich, etwas für mich selbst zu programmieren, das meinen Wünschen entsprach. Das machte ich schon immer für alle möglichen Bereiche, von einem eigenen CRM, das mehr kann als Outlook und das ich heute noch verwende, über eine Bücher-, Filme- und Hörbuchbibliothek bis hin zu unzähligen kleinen Tools – ich programmiere halt gerne.

Und dann kam eines zum anderen. Ein paar Autorenkollegen bekamen mit, dass es da etwas Praktisches gab und so bekam Patchwork bereits am 12. Februar 2014 seinen ersten offiziellen Kunden – das war gerade einmal zwei Monate nacht Start der Programmierung. Mittlerweile arbeiten über 1.000 Autoren mit Patchwork, die Tendenz ist stark steigend, obwohl sich alles bisher nur über Mundwerbung ergab. Keine Messen, kein Marketing.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich sehr herzlich bei Ulli Ramps von Papyrus bedanken, der mich zu diesem Schritt anregte.

Noch viel mehr bedanke ich mich aber bei den Kunden, die speziell am Anfang Patchwork und mir ihr Vertrauen schenkten! Als Danke gab es bis März 2017, also rund dreieinhalb Jahre lang, alle Updates kostenlos. Nahezu alle großen Features wurden in dieser Zeit in Patchwork integriert. Auch für mich persönlich bedanke ich mich bei unseren Anwendern, denn ohne sie, also nur für mich, hätte ich trotz allem wahrscheinlich Patchwork nie zu dem gemacht, was es heute ist. Mittlerweile habe ich damit mehrere Romane geschrieben. Die Zusammenarbeit mit Autoren macht mir Spaß, das Programmieren auch und das Schreiben ohnehin. Ich erhalte viel freundliches Feedback für meine Arbeit, sei es Programmierung, ein Ohr für Anwenderwünsche, -probleme oder Support. Ich bin dankbar dafür, einer der Menschen sein zu dürfen, die den lieben langen Tag all das machen können, was ihnen wirklich Freude bereitet.

Auf weitere gute Zusammenarbeit!
Martin Danesch

P.S.: Solltest du dich dafür interessieren, was ich schreibe, lade ich dich herzlich auf meine Autorenseite ein und auf meine Autorenseite bei Amazon.